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95 Prozent der neuen chinesischen Kurzdramen entstehen mit KI – zum Frühlingsfest holte Live-Action trotzdem die 25-fache Abrufzahl

Nach einer Schätzung der China Netcasting Services Association (CNSA) sind im ersten Quartal 2026 in China rund 128.000 Kurzdramen erschienen, über 95 Prozent davon unter Einsatz von KI. Die Zahl kursiert seit Mitte August in der internationalen Fachpresse; die deutschsprachige Rezeption setzte am 29. August 2026 ein. Der weniger zitierte Gegenwert stammt aus dem Frühlingsfest-Fenster 2026: Dort machten Live-Action-Produktionen nur ein Fünfzigstel der Starts aus, erreichten laut China Youth Daily aber die 25-fache Abrufzahl der KI-Titel.

Die Ausgangszahl geht auf eine Schätzung der China Netcasting Services Association zurück, eines Branchenverbands: rund 128.000 in China veröffentlichte Kurzdramen im ersten Quartal 2026, mit einem KI-Anteil von über 95 Prozent nach Titelzahl. China Internet Watch beziffert den KI-Teil daraus mit „approximately 122.000“ – diese Ableitung trägt die Quelle allerdings ohne eigenen Beleg vor.

Wichtiger als die Rundung ist die Formulierung. Der italienische Branchendienst MIA gibt die CNSA-Angabe am 13. August 2026 als „more than 95% of them were made with the support of AI models“ wieder – also KI-gestützt produziert. China Internet Watch führt dieselbe Erhebung am 25. August unter „AI-generated“ und unterscheidet auf Nachfrage nicht zwischen vollständig generiert und lediglich KI-unterstützt; die deutschsprachige Rezeption übernimmt „KI-generiert“. Zwischen „mit KI-Werkzeugen hergestellt“ und „von einer KI erzeugt“ liegt bei einer Produktionsbranche ein erheblicher Unterschied, und keine der uns zugänglichen Quellen löst ihn auf.

Der Gegenwert stammt aus dem Frühlingsfest-Fenster 2026 und wird von China Internet Watch der China Youth Daily zugeschrieben: Live-Action-Starts entsprachen dort einem Fünfzigstel der KI-Drama-Starts, ihre Gesamtabrufe lagen jedoch beim 25-Fachen der KI-Inhalte. Eine Plattformangabe zu dieser Messung nennt die Quelle auf Nachfrage nicht – die Zahl ist also als Marktbeobachtung zu lesen, nicht als plattformgenaue Statistik.

Auf der Rechteseite zeichnet sich kein Boykott ab, sondern Vertragspraxis. China Internet Watch dokumentiert drei Lizenzierungsfälle bekannter Darstellerinnen und Darsteller, jeweils mit ausgehandelten Grenzen: Bei Wang Zuxian ist die Nutzung auf eine bestimmte IP beschränkt und umfasst nur das Bild, nicht Stimme oder Namen; Wu Qihua lizenzierte das Äußere für einen KI-Film, You Benchang Stimme und Aussehen für ein Micro-Drama.

⚠️ Was wir nicht bestätigen konnten: Die deutschsprachige Rezeption berichtet unter Berufung auf die Financial Times, manche Darsteller würden gezwungen, Stimme und Aussehen in KI-Werkzeuge zu übertragen, bevor sie entlassen werden, und nennt Produktionskosten von 90 bis 120 Dollar je Minute KI-Video (zugeschrieben an Shen Yang, Tsinghua-Universität) sowie 690.000 direkt Beschäftigte. Diese Angaben stehen nicht in den beiden von uns geöffneten englischsprachigen Quellen – China Internet Watch behandelt auf ausdrückliche Nachfrage ausschließlich freiwillige Lizenzvereinbarungen und keine erzwungene Übertragung. Die FT-Berichterstattung selbst war für uns nicht abrufbar; die Angaben sind daher als Referierung durch Dritte geführt und nicht unabhängig geprüft. Ebenfalls bewusst weggelassen: die kursierenden Markt- und Nutzerzahlen (24 Milliarden RMB, 280 Millionen Nutzer), weil unsere Quellen den Bezugszeitraum nicht ausweisen und eine ältere Erhebung des US-Handelsministeriums für 2024 mit 50,44 Milliarden RMB und 576 Millionen Nutzern in ganz anderer Größenordnung liegt.

Zur Frische: Das Ereignis ist kein datierter Beschluss, sondern eine Quartalsstatistik, die seit Mitte August zirkuliert (MIA am 13.08., China Internet Watch am 25.08.). Neu im Berichtsfenster ist allein die deutschsprachige Aufnahme am 29. August.