Antrag A (Matthias Geiger) will dem Gesellschaftsvertrag den Satz hinzufügen: „We will not allow direct contributions to Debian written with the use or assistance of large language models (LLMs) or other generative AI tools.“ Erfasst wären Debian-Quellpakete, projekteigene Software, Web-Ressourcen, Dokumentation, Übersetzungen und offizielle Kommunikation; ausgenommen bleiben Upstream-Projekte, KI-bezogene Software sowie Upstream-Patches und Sicherheitskorrekturen. Begründet wird der Antrag mit unklarer Urheberrechtslage, Qualitätsproblemen, Schäden für die Gemeinschaft und ethischen Bedenken. Unterstützt haben ihn acht Entwickler, darunter Johannes Schauer Marin Rodrigues, Simon Richter, David Bremner, Pierre-Elliott Bécue, Ian Jackson und Thorsten Glaser.
Antrag B (Lucas Nussbaum) erlaubt KI-gestützte Beiträge unter sechs Bedingungen: Die Nutzungsbedingungen des Werkzeugs dürfen Verbreitung, Änderung und Nutzung nicht vertraglich einschränken; der Beitragende muss das Recht haben, den Beitrag unter der jeweiligen Open-Source-Lizenz einzureichen; er übernimmt „full responsibility for their contributions, including vouching for technical merit, security, license compliance, and utility“; bei erheblichem Werkzeug-Anteil ist die Nutzung offenzulegen – als Beispiel nennt der Antrag Git-Trailer wie „Generated-By:“ oder „Assisted-By:“; Massen- oder autonom erzeugte Beiträge sind vorab zu besprechen; und Werkzeuge, die nicht-öffentliche oder sensible Projektdaten an nicht vertrauenswürdige Anbieter übertragen, sind untersagt. Neun Entwickler haben gezeichnet, unter ihnen Stefano Zacchiroli, Andreas Tille, Julian Andres Klode und Philipp Kern.
Antrag C (Ian Jackson) trägt den Titel „Reject LLMs (generative ‚AI‘) as far as practical“ und umfasst acht nummerierte Punkte. Die ersten drei sind Bitten: „We request that all contributors to Debian avoid the use of LLMs in their Debian work“, Entscheidungsträger im Projekt sollen LLM-Nutzung „as much as practical“ entmutigen, und der dritte Punkt reicht über das Projekt hinaus – „We request that everyone, even outside Debian, should refrain from using this technology.“ Weiter verlangt der Antrag, dass Nachrichten an Menschen (Fehlerberichte, Mailinglisten, Salsa-Diskussionen, Planet-Debian-Beiträge) „solely by humans without LLM assistance“ verfasst werden, dass jede LLM-Nutzung offengelegt wird, dass einzelne Projekte und Betreuer LLM-Beiträge vollständig verbieten dürfen und diese Verbote zu respektieren sind, und dass Verstöße als Verstöße gegen den Verhaltenskodex behandelt werden und zu „swift but proportionate disciplinary action“ führen sollen. Acht Unterstützer, darunter Matthias Geiger, Enrico Zini und Sean Whitton.
Antrag D (Pierre-Elliott Bécue) akzeptiert KI-gestützte Arbeit für Debian-spezifische Aufgaben unter vier Auflagen: Alles muss den Debian-Richtlinien für freie Software (DFSG) entsprechen; der Einreichende muss die Arbeit „sufficiently evaluated and properly understand“ haben und „able to explain and defend it“ sein; die Nutzung ist an geeigneter Stelle zu kennzeichnen; und „no cloud-based AI shall be used when the data transmitted could either be sensitive to the project or not public“. Sechs Unterstützer, darunter Russ Allbery, Jonathan Carter und Gunnar Wolf.
Verfahren und Grenzen: Die offizielle Abstimmungsseite führt den Vorgang als „In Discussion“ mit dem Diskussionsbeginn 2026-07-24. Die Diskussionsperiode dauert nach der Debian-Verfassung mindestens zwei Wochen; gewählt wird per Präferenzwahl mit signierten E-Mail-Stimmzetteln durch alle Debian-Entwickler. Ein Abstimmungszeitraum und Mehrheitsanforderungen je Wahloption waren zum Abrufzeitpunkt auf der Seite nicht angegeben; auch eine Option „Further Discussion“ war dort nicht ausgewiesen. Die Anträge können sich während der Diskussionsperiode noch ändern.