Die Arbeit testet nicht etablierte Verschwörungserzählungen, sondern solche, die sich gerade erst bilden. Experiment 1 lief drei bis elf Tage nach dem Attentatsversuch auf Donald Trump im Juli 2024 mit Google Gemini Pro 1.5, Experiment 2 sechs bis acht Tage nach der Ermordung Charlie Kirks im September 2025 mit Gemini Pro 2.5. Alle Teilnehmenden hielten eine selbst formulierte Annahme für plausibel und führten ein Gespräch von mindestens fünf Runden, im Mittel 6,9 Minuten.
Verglichen wurde nicht gegen „nichts“, sondern gegen zwei Kontrollbedingungen: ein irrelevantes Gespräch mit demselben Modell und ein statisches Faktenblatt mit denselben Informationen. Gegen das irrelevante Gespräch fiel der Glaube um 6,95 und 7,56 Punkte (d = 0,38), gegen das Faktenblatt – der härtere Vergleich – um 5,60 Punkte (p = 0,004, d = 0,32) und 6,56 Punkte (p < 0,001, d = 0,35). Bei den allgemeineren Items ist der Abstand in Experiment 1 knapp: p = 0,054 für die Vertuschungsfrage.
Der Anspruch der Arbeit ist der Übertrag: Wirkt ein Gespräch über Ereignis A noch, wenn Monate später Ereignis B kommt? In Experiment 1 ja – die Odds, der neuen Erzählung zu glauben, lagen bei 0,52 und 0,48 (p = 0,009 und 0,004). In Experiment 2 findet die vorab registrierte Hauptanalyse keinen Effekt (b = −0,115, p = 0,93, d = −0,005). Erst eine nicht als Hauptmaß registrierte Anschlussanalyse findet Reste: 12 Prozent des individuellen Effekts, 19 Prozent beim allgemeinen Verschwörungsmaß.
Die Autoren stufen die Arbeit selbst als Fallstudie ein und halten es für möglich, dass es Ereignistypen gibt, bei denen das Verfahren nicht wirkt. Dazu kommt die Umkehrbarkeit: Was ein Modell aus einer Überzeugung herausführen kann, kann es prinzipiell auch hineinführen. Es handelt sich um einen nicht begutachteten Preprint; Code und Daten liegen laut Papier unter osf.io/dmu9k.