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Anthropic: Claude klärt die Herkunft der NSA-Seeds für NIST-Kurven

Die bislang unerklärten Startwerte („Seeds“) der NIST-Standardkurven P-192 bis P-521 stammen aus dem simplen C-Zufallsgenerator lrand48, gestartet mit Unix-Zeitstempeln von 1997 und 1998. Das hat laut Anthropic ein internes Claude-Forschungsmodell in unter einer halben Stunde herausgefunden. Anthropic veröffentlichte den Befund samt Code am 16. Oktober 2026.

Aussagen gegen die Quellen geprüft · 17. Oktober 2026

Die Kurven aus dem Signaturstandard FIPS 186-2 von 2000 leiten einen Koeffizienten aus dem Hash eines 20-Byte-Seeds ab. Woher die Seeds kamen, blieb offen: Der NSA-Mathematiker Jerry Solinas, der sie 1997 lieferte, erinnerte sich nur, es seien Hashes eines scherzhaften Satzes gewesen. Er starb 2023. Im selben Jahr setzte der Kryptograf Filippo Valsorda eine Prämie von 12.288 Dollar aus, verdreifacht auf 36.864 Dollar bei Spende an eine gemeinnützige Organisation.

Laut Anthropic fragte ein Mitarbeiter im Oktober 2026 ein internes Forschungsmodell, ohne auf die Satz-Spur hinzuweisen. Claude vermutete einen Zufallsgenerator aus C-Bibliotheken der 1990er-Jahre und fand ein Muster: In vier Seeds war das oberste Bit aller 32-Bit-Wörter null, typisch für lrand48. Den inneren Zustand des Generators rekonstruierte es durch Durchprobieren und, wo nur Teile der Ausgabe erhalten waren, mit dem LLL-Gitterverfahren. Zurückgerechnet ergaben sich Unix-Zeitstempel zwischen Mai 1997 und April 1998; P-256 stammt demnach vom 16. August 1997.

Erklärt sind damit die fünf NIST-Primkurven, fünf Beispielkurven des Vorläuferstandards ANSI X9.62 und vier der fünf binären NIST-Kurven – letztere unter der Annahme, das Programm habe die Uhrzeit halbiert. Der Seed von B-163 passt zu nichts. Zusätzlich führte Claude sechs Basispunkte auf den Zufallsgenerator von Arjen Lenstras Arithmetikpaket FreeLIP zurück; die Basispunkte von P-224, P-256, P-384 und P-521 bleiben unerklärt. Der veröffentlichte Code erzeugt aus Zeitstempel und Kandidatennummer genau die Seeds, die in den Standards stehen.

Offen ist, warum einige brauchbare Kandidaten übergangen wurden: Bei P-256 hätte schon Nummer 876 eine geeignete Kurve ergeben, veröffentlicht wurde Nummer 1.842. Eine gezielte Auswahl schwacher Kurven hält Anthropic für unplausibel, eine Suche über mehrere Zeitstempel sei aber denkbar. Die Prämie will Anthropic an die Internet Security Research Group spenden, die Trägerin von Let’s Encrypt. Mitautor ist Steve Weis, der die Seed-Frage 2023 aufgearbeitet hatte.