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Claude Mythos senkt den Angriffsaufwand gegen einen Post-Quanten-Kandidaten von 2^64 auf 2^38 – in 60 Stunden für rund 100.000 Dollar

Anthropic hat am 28. Juli 2026 zwei kryptanalytische Ergebnisse veröffentlicht, die sein Frontier-Modell Claude Mythos Preview erarbeitet hat. Beim Post-Quanten-Signaturverfahren HAWK – einem Kandidaten in der laufenden NIST-Ausschreibung für zusätzliche Signaturen – senkte das Modell den erwarteten Aufwand für eine vollständige Schlüsselrückgewinnung gegen die kleine Variante HAWK-256 von 2^64 auf 2^38 Operationen. Finden, Ausarbeiten und Verifizieren dauerte „about 60 hours in total“ und kostete rund 100.000 US-Dollar an API-Gebühren. Das zweite Ergebnis betrifft eine auf 7 von 10 Runden reduzierte AES-Variante: Ein neues „Möbius Bridge“-Verfahren beschleunigt den besten bekannten Meet-in-the-Middle-Angriff um den Faktor 200 bis 800. Anthropic hält ausdrücklich fest: „Neither of these results has a practical impact on today’s computer systems; no production software will have to change.“

Das HAWK-Ergebnis ist das leichter einzuordnende. HAWK ist ein gitterbasiertes Signaturverfahren und Kandidat in der dritten Runde des NIST-Wettbewerbs um zusätzliche Post-Quanten-Signaturen – also ein Verfahren, das noch geprüft und nirgends produktiv ausgerollt wird. Anthropic beziffert den Fund so: „the expected cost of a full key recovery attack against the small HAWK-256 size was thought to be 2^64 but was demonstrated by Mythos to be 2^38“; das Unternehmen beschreibt den Effekt als Halbierung der Schlüsselstärke. Der Ablauf: Ein Anthropic-Forscher arbeitete halb-autonom mit dem Modell, „human input was limited to project management like advising Mythos how to keep track of ideas or which libraries to use“. Aufwand insgesamt: rund 60 Stunden und etwa 100.000 US-Dollar API-Kosten.

Das zweite Ergebnis betrifft AES – allerdings ausdrücklich nicht den produktiven Standard, sondern eine auf 7 von 10 Runden reduzierte Variante, wie sie in der Kryptanalyse als Zwischenschritt untersucht wird. Das Modell entwickelte dafür ein Fingerprinting-Verfahren, das Anthropic „Möbius Bridge“ nennt, und beschleunigt damit den bis dahin besten Meet-in-the-Middle-Angriff „between 200 and 800 times“. Diesen Fund macht Anthropic weitgehend allein dem Modell zugute: „Mythos Preview discovered this result almost entirely autonomously“ – über drei Tage hinweg produzierte es mehrere Hundert Millionen, in Summe rund eine Milliarde Ausgabe-Tokens, wieder bei etwa 100.000 Dollar API-Kosten, bei nur drei inhaltlichen menschlichen Anstößen. Danach kehrt sich der Aufwand um: „Researchers at Anthropic then spent several hundred hours learning enough cryptography research to validate the model’s claim.“

Der Code beider Analysen liegt offen. Anthropic hat das Repository „anthropics/cryptography-research-demo“ unter Apache 2.0 veröffentlicht; es enthält getrennte Verzeichnisse für AES, HAWK und LEA und trägt den Hinweis „Research artifact. Not maintained and not accepting contributions.“ Simon Willison hebt in seiner Notiz vom 28. Juli hervor, dass gerade die mitveröffentlichten Prompts aufschlussreich sind – sie zeigen, wie stark das Modell angetrieben werden musste, nicht aufzugeben und etwas Publikationsfähiges zu finden. Auch er referiert die Einschränkung wörtlich: „neither of these results has a practical impact on today’s computer systems“.

Für die Einordnung nützlich ist ein Papier, das denselben Gegenstand von außen misst: „CryptanalysisBench: Can LLMs do Cryptanalysis?“ (arXiv:2607.18538, eingereicht am 20. Juli 2026) von Lukas Fluri, Avital Shafran, Nicholas Carlini, Florian Tramèr und weiteren. Der Benchmark umfasst 191 Aufgaben über sechs kryptografische Familien; die getesteten Modelle – darunter Claude Opus 4.8, Sonnet 5 und GPT-5.5 – brechen dort 65 bis 86 Prozent der Tier-1-Verfahren, greifen 6 bis 12 vollständig sichere Primitive an und kompromittieren 24 bis 61 skalierte Varianten. Die Autoren dokumentieren zudem zwei neuartige Angriffe auf SpoC und KINDI. Das zeigt: Anthropics Funde stehen nicht allein, sondern am oberen Ende einer Fähigkeit, die auch die vorige Modellgeneration bereits messbar besaß.

Offene Punkte und Vorbehalte: Beide Ergebnisse sind bislang Anbieter-Veröffentlichungen ohne unabhängige Reproduktion; ob die kryptografische Fachwelt die Angriffe bestätigt, wird sich erst zeigen. Anthropic nennt keine namentlichen Autoren der beiden technischen Papiere, sondern führt sie über das Frontier Red Team. Zur Beleglage: Wir haben Anthropics Beitrag, das GitHub-Repository und den arXiv-Eintrag selbst geöffnet; die beiden verlinkten PDF-Papiere (hawk_key_recovery.pdf, aes_mobius_bridge.pdf) haben wir nicht ausgewertet und führen sie deshalb nicht als Beleg.