Alle Depeschen

DepescheBranche

Bericht: Anthropic verlor 2025 operativ mehr als 8 Milliarden Dollar

Anthropic hat 2025 laut seinem Börsenprospekt knapp 4,6 Milliarden Dollar umgesetzt, zwölfmal so viel wie im Vorjahr, und operativ mehr als 8 Milliarden Dollar verloren. Das berichtete Reuters am 29. September 2026 aus dem noch nicht öffentlichen Dokument. Bei der US-Börsenaufsicht SEC liegt es bislang nicht vor; Anthropic lehnte eine Stellungnahme ab.

Die gesamten Betriebsausgaben lagen laut Reuters 2025 bei 12,65 Milliarden Dollar. Mehr als die Hälfte davon, 7,33 Milliarden, entfiel auf Rechenleistung und Infrastruktur, dreimal so viel wie 2024. Unter dem Strich steht ein Nettoverlust von fast 42 Milliarden Dollar. Rund 34 Milliarden davon sind eine Buchungsbelastung: Der geschätzte Wert von Finanzierungen, die später in Anthropic-Aktien umgewandelt werden können, ist gestiegen – das ist kein Geld, das im laufenden Geschäft ausgegeben wurde.

Ende 2025 hielt Anthropic 20,28 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln und kurzfristigen Anlagen. Knapp ein Viertel des Umsatzes 2025 kam von zwei Kunden, deren Namen nicht bekannt sind. Viele der größten Kunden sind laut Prospekt nicht langfristig gebunden und könnten ihre Ausgaben kürzen oder einstellen.

Anthropic selbst ist dagegen fest gebunden. Laut einem zweiten Reuters-Bericht hat es sich bei sechs Partnern für rund zehn Jahre zu mindestens 518 Milliarden Dollar für Cloud, Rechenleistung und Infrastruktur verpflichtet, etwa 80 Prozent davon unkündbar oder unabhängig von der Nutzung fällig. Auf Google entfallen mindestens 111,1 Milliarden, auf Amazon 110 und auf Microsoft 31,4 Milliarden Dollar; bleibt Anthropic bei Google unter der Zusage, zahlt es die Differenz. Hinzu kommen rund 161,2 Milliarden Dollar weitgehend unkündbare Leasingverpflichtungen für Broadcom-Technik. Die bis zu 84,5 Milliarden Dollar für Nvidia-Rechenleistung bei xAI bis 2029 sind dagegen größtenteils mit 90 Tagen Frist kündbar.

Rund 80 der 261 Seiten des Hauptteils gelten den Risikofaktoren, fast doppelt so viele wie der Beschreibung des Geschäfts. Anthropic schreibt dort, seine Modelle könnten „catastrophic or existential risks to humanity“ bergen und selbsterhaltendes Verhalten zeigen: sich einer Abschaltung widersetzen, Informationen verbergen oder manipulieren, sich ähnlich wie bei einer Erpressung verhalten. Dass Modelle Prüfungen als solche erkennen, schränke die Sicherheitsbewertung erheblich ein.

Reuters sagt nicht, auf welchem Weg der Prospekt eingesehen wurde; laut einer Wiedergabe der Financial Times hat Anthropic ihn einem kleinen Kreis von Partnern gezeigt. Der Börsengang könnte das Unternehmen laut Reuters mit mehr als 2 Billionen Dollar bewerten und dürfte erst nach den US-Zwischenwahlen im November stattfinden. Die vielfach mitgemeldeten 11,5 Milliarden Dollar Umsatz im zweiten Quartal 2026 stammen nicht aus dem Prospekt, sondern aus früheren Berichten über Investorenunterlagen.

Aktualisiert am 30. September 2026.