Physiker schreibt mit Claude 36 Manuskripte in drei Monaten
Der Harvard-Physiker Matthew Schwartz hat am 1. Oktober 2026 in einem Gastbeitrag bei Anthropic beschrieben, wie er mit Claude Fable 5 und dem selbst entwickelten Open-Source-Werkzeug BootLoops in drei Monaten 36 Manuskripte in 18 Fachgebieten erarbeitet hat – mit 19 Koautoren, ausgewählt aus rund 400 Kandidatenproblemen.
BootLoops ist eine Sammlung von Software und Arbeitsprotokollen, die Schwartz als HarnessDie Gerüst- bzw. Steuerungsschicht um ein Modell herum: der Code, der Werkzeuge anbindet, den Loop führt, Sub-Agenten spawnt und Ergebnisse einsammelt. Faustregel: oft bringt ein engerer Harness mehr als ein klügeres Modell.Mehr im Wissen → für Sprachmodelle beschreibt: geprüfte Rechenwerkzeuge für exakte und hochpräzise Rechnungen in Physik und anderen quantitativen Fächern, gesteuert von einem Agenten. Das Repository steht seit dem 1. Oktober unter MIT-Lizenz auf GitHub und soll mit beliebigen Modellen funktionieren. Schwartz ist Gastforscher bei Anthropic, BootLoops gehört aber nach seinen Angaben ihm, nicht dem Unternehmen.
Als Beispiel nennt er 30 Integrale, die das System vollständig berechnet hat: 15 reproduzierten bekannte Ergebnisse, 15 waren bisher nicht berechnet. Die übrigen Arbeiten reichen von Teilchenphysik bis Linguistik; ökonomische Ergebnisse erschienen als NBER-Arbeitspapier, also ohne Begutachtung.
Schwartz benennt die Grenzen deutlich. Die Verbindungen, die Claude fand, seien meist technisch korrekt, aber wissenschaftlich unspektakulär gewesen, bis Fachleute die Richtung vorgaben. Das Modell erkläre Aufgaben gern vorschnell für erledigt; einmal sei ein Beweis bis auf ein unbewiesenes Lemma fertig gewesen, das sich als der ganze Beweis herausstellte. Den automatischen Prüfungen traue er noch nicht, alle 36 Manuskripte würden weiter überprüft.