Kroll begründet den Wechsel vor allem mit der Qualität: Ecosia sei von Mistral enttäuscht, dessen Modelle lägen ein Jahr hinter der Konkurrenz. Hinzu kamen wiederkehrende technische Probleme wie überlastete Server; Ecosia sei für Mistral schlicht ein zu großer Kunde gewesen. Mit Melious habe man die Kosten ungefähr halbiert und zugleich Qualität und Leistung verbessert. Messwerte dazu nennt der Bericht nicht.
Kroll zweifelt außerdem, ob Mistral wegen des hohen Atomstromanteils in Frankreich zu Ecosias Umweltzielen passt, und hält einen Anbieter, der auf internationale Investoren angewiesen ist, nicht für wirklich souverän. Zu Mistrals Geldgebern zählen Samsung Electronics und Nvidia. Melious gibt an, ausschließlich auf Infrastruktur in der EU zu laufen, und bündelt mehr als 60 offene Modelle von elf Rechenzentrumspartnern, darunter auch Mistral Small 4. Welche Modelle Ecosia für welche Funktionen einsetzt, ist nicht bekannt.
Mistral-Mitgründer Guillaume Lample bot Ecosia am 5. Oktober an, das neue Modell Large 4 sofort im Vorabzugang zu testen. Kroll hält die politische Färbung chinesischer Modelle für technisch behebbar, anders als Qualitätsmängel. Rasmus Rothe vom KI-Bundesverband widerspricht teilweise: Offene Zensur lasse sich durch Nachtraining weitgehend entfernen, in den Trainingsdaten verankerte Verzerrungen kaum. Eine NewsGuard-Untersuchung hatte gefunden, dass fünf führende chinesische Modelle prochinesische Falschbehauptungen wiederholt nicht korrigierten.