OpenAI stellte den Beweis am 11. Juli 2026 vor: GPT-5.6 Sol Ultra – der neue „Ultra“-Modus fährt modell-eigene, aufeinander abgestimmte Subagenten – habe mit 64 parallelen Instanzen in knapp einer Stunde ein vollständiges Manuskript zur Cycle Double Cover Conjecture erzeugt. Die Vermutung (grob: Jeder brückenlose Graph besitzt eine Familie von Kreisen, die jede Kante genau zweimal überdeckt) ist ein seit den 1970er-Jahren offenes Standardproblem der Graphentheorie. Das PDF ist unverändert unter OpenAIs Domain abrufbar.
Der Graphentheoretiker Thomas Bloom (University of Manchester) ordnete den Beweis öffentlich ein: „ein sehr schöner Beweis“, „überraschend kurz und elementar“ – die verwendeten Werkzeuge hätten theoretisch schon in den 1980er-Jahren zum Ziel geführt; das Modell habe offenbar systematisch Varianten durchprobiert, wo Menschen nach ersten Fehlschlägen aufgaben. Zugleich hält Bloom fest, das Paper zitiere die einschlägige Vorarbeit nicht sauber (namentlich Bermond/Jackson/Jaeger 1983) – „ein häufiges Problem bei KI-generierten Beweisen und Papern“ –, was den Eindruck erwecke, das Modell habe aus vorhandener Literatur geschöpft, ohne sie auszuweisen.
Vorbehalte: Die Meldung stammt von OpenAI selbst; eine vollständige Begutachtung durch die Mathematik-Community steht aus, und Blooms Ersteinschätzung ist die bislang detaillierteste öffentliche Prüfung. Die Korrektheit des Beweises ist damit weder bestätigt noch widerlegt. Belastbar ist vorerst nur: Das Manuskript existiert, ist elementar gehalten und stammt maschinell aus einem Ultra-Subagenten-Lauf. Für die Einordnung von GPT-5.6 heißt das – im Einklang mit den bereits dokumentierten Praxis-Eindrücken – Stärke bei langläufigen, breit parallelisierten Aufgaben, Schwäche bei sauberer Provenienz.