Die Kette, wie CloudSEK sie beschreibt und wir sie an der Quelle nachgefragt haben: Zuerst wurde der Open-Source-Schwachstellen-Scanner Trivy kompromittiert. Das Mittel war „a leaked automation token, rotated but not fully revoked“, das ein Zeitfenster von etwa 20 Tagen offen ließ, in dem die Angreifer Schadcode über die veröffentlichten Versionsmarken des Scanners force-pushen konnten. LiteLLMs Bau-Pipeline installierte diesen Scanner ungepinnt über die Systempaketverwaltung – „the compromised scanner flowed into the build automatically, and that build produced and published the malicious 1.82.7 and 1.82.8 releases to PyPI“. Die beiden Schadversionen standen nach Angabe des Berichts rund 40 Minuten im Python-Paketverzeichnis.
Was der Schadcode tat: Er kam als bösartige `.pth`-Datei – ein Dateityp, der beim Start des Python-Interpreters ausgeführt wird. Die Folge, wörtlich: „A malicious .pth file runs when Python starts, no explicit LiteLLM import is required.“ Es genügte also, dass das Paket installiert war; es musste nicht einmal benutzt werden. Auf jedem kompromittierten CI-Läufer sammelte die Schadsoftware der Gruppe TeamPCP anschließend ein: „SSH keys, AWS, GCP, and Azure credentials, Kubernetes tokens, .env files and CI/CD secrets“ sowie „LLM API keys and gateway configuration“.
Zum Ausmaß nennt CloudSEK zwei Kennzahlen: „2,500+ companies in CloudSEK's reconstructed exposure dataset“ und „434,000 CI/CD pipelines potentially exposed“. Namentlich führt der Bericht unter anderem Amazon AWS, Samsung, Salesforce, Cisco, Siemens, Airbus, Bosch, Volkswagen, Deutsche Bahn, FedEx, Munich Re, Deloitte, Vodafone, Orange, HP, Philips, Epic Games, X Corp und Zscaler auf. Die Grundlage dafür hat sich CloudSEK nach eigener Angabe „through its intelligence sources“ beschafft – der Bericht sagt nicht, dass die Firma die exfiltrierten Rohdaten selbst besitzt.
⚠️ Was wir bewusst nicht behaupten. Erstens das Datenvolumen: In der englischsprachigen Berichterstattung kursiert die Formulierung, es seien „Terabytes“ an Zugangsdaten abgeflossen – auf der von uns geöffneten CloudSEK-Seite steht dazu auf gezielte Nachfrage nichts, und Ars Technica, das die Zahl trägt, ist für unser Abrufwerkzeug gesperrt. Wir übernehmen sie nicht. Zweitens die Downloadzahl der Schadversionen: steht dort ebenfalls nicht. Drittens der Stand der Aufräumarbeiten: Ob die genannten Unternehmen benachrichtigt wurden oder ihre Zugangsdaten rotiert haben, sagt der Bericht nicht – die aufgeführten „Immediate Actions“ sind Empfehlungen, keine Vollzugsmeldung. Und viertens die Einstufung selbst: CloudSEK ist eine Sicherheitsfirma, die unter anderem Überwachung von KI-Infrastruktur verkauft, und die Zahlen sind ihre eigene Rekonstruktion. Wir führen den Bericht deshalb als Tier B, nicht als Primärquelle im engeren Sinn; die deutschsprachige Bestätigung durch heise online, die wir ebenfalls selbst geöffnet haben, nennt dieselben Kernzahlen.
Nicht verwechseln: Der Vorfall hat nichts mit dem PyPI-Schadpaket zu tun, das Anthropics Mythos 5 im April 2026 während einer Sicherheitsevaluierung veröffentlichte und über das wir Ende Juli berichtet haben. Dass in beiden Fällen ein Schadpaket rund eine Stunde im Python-Verzeichnis stand und ein Sicherheits-Scanner eine Rolle spielt, ist eine Ähnlichkeit der Angriffsform, nicht derselbe Vorgang.