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Null Aufbewahrung gegen 30 Tage: OpenAI will Missbrauch künftig erkennen, ohne Kundendaten zu speichern – dort, wo Anthropic Speicherung zur Bedingung macht

OpenAI hat am 19. August 2026 zugesagt, Zero Data Retention (ZDR) auch für seine Frontier-Modelle weiter anzubieten, und stellt dafür ein Verfahren namens „Private Safety Processing“ in Aussicht: Es soll Missbrauch über mehrere zusammenhängende Interaktionen hinweg erkennen, ohne dass Kundeninhalte aufbewahrt oder von OpenAI-Personal gelesen werden. Ausrollen und ein technisches White Paper kündigt das Unternehmen für September an. Anthropic verlangt umgekehrt für seine stärksten Modelle – seit dem 9. Juni 2026 sind Claude Fable 5 und Claude Mythos 5 als „Covered Models“ eingestuft – 30 Tage Aufbewahrung und schließt ZDR dort ausdrücklich aus.

OpenAI beschreibt in einem Beitrag vom 19. August 2026 zwei Dinge nebeneinander. Erstens: Zero Data Retention – die vertragliche Zusage, für berechtigte API-Kunden keine Ein- und Ausgaben zu speichern – bleibt auch für die Frontier-Modelle bestehen. Zweitens: Weil Modelle längere, autonomere Arbeit übernehmen, müssten Sicherheitssysteme Risiken künftig nicht mehr nur innerhalb einer Sitzung, sondern über zusammenhängende Interaktionen hinweg erkennen. Dafür stellt OpenAI „Private Safety Processing“ vor: ein automatisiertes Verfahren, das Muster über mehrere Vorgänge hinweg auswerten und dem Unternehmen lediglich ein eng umrissenes Sicherheitssignal melden soll – ohne die zugrunde liegenden Prompts und Antworten offenzulegen. Der Rollout und ein technisches White Paper sind für September 2026 angekündigt; getestet wird bereits mit ausgewählten Kunden. Eine Ausnahme bleibt: Inhalte, die als mögliche Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs markiert werden, werden wie bisher auch unter ZDR zur manuellen Prüfung und Meldung aufbewahrt.

Den Kontrast dazu liefert Anthropic in der eigenen Dokumentation. Seit dem 9. Juni 2026 führt das Unternehmen Claude Mythos 5 und Claude Fable 5 als „Covered Models“ – Modelle, deren Fähigkeiten „represent a substantial step up from prior generations“. Für sie gilt: „Prompts submitted to, and outputs generated by, covered models are retained for 30 days to support our safety work.“ Nach 30 Tagen werde automatisch gelöscht, außer in den seltenen Fällen einer Markierung durch die automatischen Trust-and-Safety-Systeme oder einer gesetzlichen Aufbewahrungspflicht. Menschliche Durchsicht ist die Ausnahme, nicht die Regel: „By default, no Anthropic personnel can read your retained conversations. Human review can occur only through a controlled access path.“ Entscheidend für Unternehmen ist der letzte Satz dieser Regel: „Zero data retention is not available in workspaces, Claude Enterprise organizations, or third-party platforms (e.g., Azure Subscriptions) where Covered Models can be accessed.“ Anthropic begründet das damit, dass sich ausgefeilte Angriffe über mehrere Anfragen erstrecken und deshalb nur mit Aufbewahrung erkennbar seien – also mit derselben Diagnose, aus der OpenAI die gegenteilige Konsequenz zieht.

Bei der Belegtiefe ist zu unterscheiden. Anthropics Regel ist eine geltende, nachlesbare Festlegung in der Herstellerdokumentation. OpenAIs „Private Safety Processing“ ist bislang eine Ankündigung mit Rollout-Datum, aber ohne veröffentlichte technische Beschreibung – anbieter-selbstberichtet und unabhängig nicht überprüft. OpenAIs eigene Seite dazu ist für automatisierte Abrufe gesperrt (HTTP 403); die hier wiedergegebenen Angaben stammen aus der übereinstimmenden unabhängigen Berichterstattung von TechCrunch und Computerworld. Einzuordnen ist die Ankündigung außerdem in eine Woche, in der OpenAI ohnehin über die eigenen Leitplanken sprach: Das Unternehmen hatte zuvor mitgeteilt, die Skalierung vorübergehend zu verlangsamen und den größten geplanten Frontier-Trainingslauf weiter zurückzuhalten.