Nach einem Bericht des Branchendiensts The Information hat Alibaba seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewiesen, Anthropics Claude nicht mehr zu nutzen und sämtliche Claude-Modelle von den Dienstrechnern zu entfernen. Claude Code – Anthropics agentisches Coding-Werkzeug – wurde dem Bericht zufolge intern als „hochriskante Software“ klassifiziert; das Verbot soll ab dem 10. Juli 2026 gelten.
Als Begründung führen Beschäftigte laut den Berichten die Angst vor einer versteckten Überwachungsfunktion an: Im Claude-Code-Quellcode war Ende Juni 2026 ein Mechanismus öffentlich geworden, mit dem sich erkennen ließ, ob eine Anfrage über einen China-nahen Proxy oder eine chinesische Zeitzone lief. Anthropic hatte dies als „Experiment“ gegen Reseller-Missbrauch und Modell-Distillation bezeichnet und den Rückbau angekündigt (siehe verwandte Depesche).
Statt Claude Code sollen Alibaba-Entwickler das konzerneigene Werkzeug „Qoder“ verwenden. Der Schritt fügt sich in ein wachsendes Tauziehen: Anthropic hatte US-Senatoren zuvor mitgeteilt, mutmaßlich Alibaba zuzurechnende Akteure hätten zwischen April und Juni 2026 über knapp 25.000 betrügerische Konten mehr als 28,8 Millionen Anfragen an Claude gestellt, um dessen Fähigkeiten abzuschöpfen.
Einordnung: Die Eckpunkte stammen aus dem Bericht von The Information und dessen unabhängiger Nachzeichnung durch mehrere Fachmedien; ein offizielles Alibaba-Statement zum internen Verbot lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht vor. Für den Werkzeug-Katalog der KI-Depesche ist der Vorgang auf der Claude-Code-Seite als datierte kritische Stimme vermerkt.