354 von 1.320 Entwürfen binden: Anthropic lässt Claude eine Protein-Design-Kampagne allein fahren
Anthropic hat eine Forschungsarbeit veröffentlicht, in der Claude-Modelle eigenständig rund ein Dutzend Spezialwerkzeuge steuern, um Minibinder zu entwerfen – kleine Proteine, die an ein Zielprotein andocken. Von 1.320 im Labor getesteten Entwürfen banden 354 an ihr Ziel, und zwar gegen 14 von 15 Zielproteinen; das sind rechnerisch 26,8 Prozent. Im Modus mit mehreren Zielen und 48 Stunden Laufzeit erreichte Mythos Preview 26,7 Prozent, Claude Opus 4.8 22,6 Prozent; im Einzelziel-Modus mit 24 Stunden kam Mythos Preview auf 35,1 Prozent. Als Vergleichswert nennt Anthropic „10 to 15% is typical in protein design campaigns today“. Hergestellt und im Labor getestet haben die Entwürfe die externen Dienstleister Adaptyv Bio und Twist Bioscience.
Die Zahlen, wie sie auf Anthropics Forschungsseite stehen: Im Mehrziel-Modus mit 48 Stunden Wandzeit und bis zu 12.500 NVIDIA-H100-Stunden erreichte Mythos Preview eine Trefferquote von 26,7 Prozent, Claude Opus 4.8 22,6 Prozent. Im Einzelziel-Modus mit 24 Stunden und bis zu 2.500 H100-Stunden je Ziel kam Mythos Preview auf 35,1 Prozent. Über alle Läufe hinweg wurden 1.320 Entwürfe im Labor getestet, von denen 354 banden – gegen 14 von 15 Zielproteinen. Die häufig zitierten 26,8 Prozent sind der Quotient aus diesen beiden Zahlen; als eigenständig ausgewiesener Sammelwert steht er dort nicht.
Den Vergleichsmaßstab nennt Anthropic selbst und benennt auch dessen Herkunft: „10 to 15% is typical in protein design campaigns today“, gestützt auf eine eigene Auswertung von Daten aus proteinbase.com. Extern ist an dem Aufbau die Messung: „Our external evaluators, Adaptyv Bio and Twist Bioscience, independently produced and tested Claude’s designs in the lab.“ Die beiden Auftragslabore haben die Entwürfe also hergestellt und auf Bindung geprüft – sie haben nicht den Versuchsaufbau entworfen und nicht den Vergleichsmaßstab gewählt.
⚠️ Zwei Angaben aus der deutschsprachigen Rezeption übernehmen wir nicht. The Decoder nennt eine Bindungsrate von 49 Prozent für die Top-Kandidaten; auf gezielte Nachfrage steht ein solcher Sammelwert auf Anthropics Seite nicht – dort finden sich Einzelbeispiele je Ziel, etwa 40 Prozent für RBX1. Und The Decoder führt Opus 5 unter den eingesetzten Modellen; die Primärquelle nennt an den von uns geprüften Stellen Mythos Preview und Claude Opus 4.8. Wir folgen der Primärquelle. Ebenfalls nicht übernommen: die von The Decoder in Dollar umgerechneten Rechenbudgets (50.000 je Kampagne, 10.000 je Einzelziel) – Anthropic gibt H100-Stunden an, nicht Geld.
⚠️ Zur Belegklasse insgesamt: Dies ist anbieter-selbstberichtete Forschung mit externer Labormessung, keine unabhängige Studie. The Decoder vermerkt ausdrücklich, eine unabhängige Prüfung der Ergebnisse stehe aus. Was aus diesen Zahlen ausdrücklich nicht folgt: dass ein Wirkstoff entstanden wäre. Ein bindender Minibinder ist ein sehr frühes Zwischenergebnis der Medikamentenentwicklung, nicht deren Ende.