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Geteilte Claude-Chats in der Google-Suche: Ursache ist die robots.txt-Sperre, nicht ein fehlender noindex-Tag

Am Wochenende des 25./26. Juli 2026 fanden Nutzer über die Suchabfrage „site:claude.ai/share“ fremde geteilte Claude-Gespräche in der Google-Suche; berichtet wurden unter anderem Lebensläufe mit Klarnamen, API-Schlüssel, Krypto-Wallet-Angaben und anwaltliche Notizen. Betroffen waren ausschließlich Gespräche, die ihre Urheber zuvor bewusst per Link veröffentlicht hatten – kein Einbruch in private Chats. Die in der Berichterstattung verbreitete Erklärung „fehlender noindex-Tag“ trifft die Ursache allerdings nicht: Unser eigener Abruf der robots.txt von claude.ai am 27. Juli zeigt unter „User-Agent: *“ die Zeile „Disallow: /share/*“ – und genau diese Sperre ist nach Googles eigener Dokumentation der Grund, warum ein noindex nicht greifen kann.

Was passiert ist: Am 25. Juli 2026 wies ein Beitrag im Forum r/ClaudeAI darauf hin, dass die Suchabfrage „site:claude.ai/share“ bei Google fremde geteilte Claude-Gespräche zurückgab. In den folgenden Tagen sammelten Nutzer auf X Beispiele; der Entwickler Om Patel führte nach Darstellung der IBTimes Lebensläufe mit Klarnamen und Telefonnummern an, dazu API-Schlüssel, Krypto-Wallet-Angaben, die Notizen eines Anwalts zu einem möglichen Standesverfahren sowie Inhalte, die wie Sozialversicherungsnummern aussahen; ein weiterer Entwickler, Ziwen Xu, las fremde Gespräche über Brave Search. Eine belastbare Gesamtzahl gibt es für diesen Vorfall nicht – die Angaben in der Berichterstattung reichen von „Hunderten“ bis „Tausenden“, keine davon ist überprüfbar belegt. Für die Einordnung entscheidend: Betroffen waren ausschließlich Gespräche, die ihre Urheber zuvor über die Funktion „Mit Link teilen“ selbst veröffentlicht hatten. Einen Hinweis darauf, dass private Chats abgeflossen wären, nennt keine der geprüften Quellen.

Die Ursache wird in der Berichterstattung überwiegend als fehlender noindex-Tag beschrieben – so bei The Decoder, GBHackers und CybersecurityNews, letztere wörtlich mit „those pages lacked proper noindex tags“. Diese Erklärung greift zu kurz. Wir haben die robots.txt von claude.ai am 27. Juli 2026 selbst abgerufen: Unter „User-Agent: *“ steht dort neben Sperren für /chat/*, /api/* und /settings* auch die Zeile „Disallow: /share/*“. Googles eigene Dokumentation beschreibt genau diese Konstellation als Fehler: „For the noindex rule to be effective, the page or resource must not be blocked by a robots.txt file, and it has to be otherwise accessible to the crawler.“ Und weiter: „If the page is blocked by a robots.txt file or the crawler can't access the page, the crawler will never see the noindex rule, and the page can still appear in search results, for example if other pages link to it.“ Die Sperre ist damit nicht die fehlende Schutzmaßnahme, sondern deren Ursache: Weil Googlebot die Share-Seiten nicht abrufen darf, kann er ein dort hinterlegtes noindex gar nicht lesen – eine über einen extern geposteten Link entdeckte Adresse landet trotzdem im Index.

Was daraus folgt, hat der Entwickler Daniel J. Glover am 26. Juli in einer technischen Analyse ausbuchstabiert: „Googlebot has been forbidden by robots.txt from fetching those pages, so it never receives the header telling it not to index them.“ Der Index enthielt deshalb Adressen ohne Textauszug – „Google was listing URLs it had never opened. You could find the conversations through search, but you had to click through to the live page to read any of them.“ Der Gesprächsinhalt stand also nicht in den Suchergebnissen selbst; auffindbar und anschließend lesbar war er trotzdem, weil die Share-Seite konstruktionsgemäß öffentlich erreichbar ist. Glover berichtet zudem, die Seiten trügen seit dem 26. Juli ein „noindex, nofollow“-Meta-Tag. Unsere Prüfung am Folgetag zeigt allerdings, dass „Disallow: /share/*“ weiterhin gesetzt ist – nach der oben zitierten Google-Regel kann Googlebot ein solches Meta-Tag dann nicht auslesen. Die Google-Treffer verschwanden bis zum 27. Juli weitgehend, auf Bing und Brave Search blieben sie länger sichtbar; wie die Entfernung technisch bewirkt wurde, ist in keiner der geprüften Quellen dokumentiert.

Der Vorgang ist kein Einzelfall, sondern eine Wiederholung. Forbes berichtete am 8. September 2025, Google habe nach eigener Schätzung knapp 600 Claude-Gespräche indexiert; darunter waren damals interne Anthropic-Prompts sowie Namen und E-Mail-Adressen von Mitarbeitenden. Anthropic-Sprecherin Gabby Curtis erklärte seinerzeit: „We give people control over sharing their Claude conversations publicly, and in keeping with our privacy principles, we do not share chat directories or sitemaps of shared chats with search engines like Google and actively block them from crawling our site.“ Genau dieses aktive Blockieren ist der Mechanismus, der die Indexierung eben nicht verhindert. Zum Vorfall vom Juli 2026 lag zum Zeitpunkt unserer Recherche keine öffentliche Stellungnahme Anthropics vor – IBTimes hielt am 26. Juli fest, das Unternehmen habe sich zu den jüngsten Berichten nicht geäußert, GBHackers am 27. Juli, es habe „Ursache, Umfang und Abhilfe“ nicht öffentlich geklärt. Das Curtis-Zitat stammt aus dem Vorjahr und ist nicht auf den aktuellen Fall zu beziehen.