Autor des Beitrags vom 24. Juli 2026 ist Thariq Shihipar (Member of Technical Staff bei Anthropic). Der Ausgangsbefund lautet: „We found that we were overconstraining Claude Code, both through our system prompt and in our CLAUDE.md files and skills.“ Diese Beschränkungen seien einmal nötig gewesen, um schlimmste Fälle zu vermeiden – „we have since found we can delete many of them“. Anthropic nennt das Ergebnis „Unhobbling Claude“: Die Fesseln stammten aus einer Zeit, in der die Modelle sie brauchten.
Der Artikel stellt vier Gegenüberstellungen von „Then“ und „Now“ auf. Bei Regeln und Beschränkungen ersetzt eine Zielbeschreibung die Verbotsliste: aus „default to writing no comments. Never write multi-paragraph docstrings … Don't create planning, decision, or analysis documents unless the user asks“ wird „Write code that reads like the surrounding code: match its comment density, naming, and idiom.“ Bei der Informationsdarbietung tritt progressive Offenlegung an die Stelle des Alles-nach-vorn: „we moved verification and code review into their own skills that Claude Code could selectively call“. Bei Wiederholungen gilt, Anweisungen nur noch in der Werkzeugbeschreibung zu halten statt zusätzlich im System-Prompt. Und statt Nutzer Kontext von Hand in CLAUDE.md sichern zu lassen, speichert Claude relevante Erinnerungen selbst.
Für das eigene Projekt gibt Anthropic drei konkrete Streichlisten aus: übermäßig vorschreibende Regeln zu Kommentaren und Dokumentation, in System-Prompt und Werkzeugbeschreibung doppelte Anweisungen sowie erschöpfende Aufzählungen von „Gotchas“, die sich ohnehin aus dem Code ablesen lassen. Für CLAUDE.md lautet die Regel: „Keep your CLAUDE.md lightweight and briefly describe what your repo is for, but spend most of the tokens on gotchas inside of the codebase.“ Lange Skills sollen in mehrere Dateien zerlegt werden. Und die Praxis ist als Werkzeug hinterlegt: „We've put these best practices in claude doctor; use the command /doctor in Claude Code to rightsize your skills, and CLAUDE.md files.“
Die Praxis-Rezeption stützt den Befund von der anderen Seite – und erklärt einen Teil der gemischten Aufnahme von Opus 5. Dan Shipper (Every) berichtet nach einer Testwoche über Coding, Schreiben, Wissensarbeit und den internen Agenten: „It argued with instructions, stopped before the work was finished, and generally didn't play well with our existing skills and plugins like Compound Engineering.“ Erst nach dem Löschen der bestehenden Skills sei das Modell deutlich besser geworden; sein Gesamturteil bleibt kritisch („a poor man's Fable“). Der Entwickler Theo Browne, der einen vollen Arbeitstag mit Opus 5 im eigenen Agenten-Harness verbracht hat, beschreibt dieselbe Umkehr aus Modellsicht: Opus 5 sei das erste Anthropic-Modell, das nicht mehr rate, was der Nutzer eigentlich meine, sondern tue, was man sagt, und bei Unklarheit nachfrage – genau deshalb seien die alten, ständig wiederholten Ermahnungen überflüssig geworden. Beide Stimmen sind Tier C und n=1; belegt ist an ihnen nur, dass zwei unabhängige Praktiker denselben Effekt beschreiben, den Anthropics Anleitung vorhersagt.