Open Secure AI Alliance: Nvidia und Microsoft bündeln offene Sicherheitswerkzeuge – ohne OpenAI, Google und Anthropic
Nvidia hat am 27. Juli 2026 die Open Secure AI Alliance angekündigt: einen Zusammenschluss, der offene Werkzeuge, Modelle, Datensätze und Prüfverfahren für die Absicherung von Software und Agenten entwickeln und teilen soll. Die Gründungsliste im Nvidia-Blog nennt neben Nvidia unter anderem Microsoft, IBM, Red Hat, Cisco, CrowdStrike, Palo Alto Networks, Dell, HPE, Hugging Face, Palantir, Salesforce, SAP, ServiceNow, Siemens, Snowflake, Cloudflare, Databricks, Elastic, LangChain, SpaceXAI, Thinking Machines Lab und die Linux Foundation. Von den Anbietern geschlossener Spitzenmodelle ist keiner dabei – OpenAI, Google, Anthropic und Meta fehlen.
✓ Aussagen gegen die Quellen geprüft · 27. Juli 2026
Nvidia hat die Allianz am 27. Juli 2026 im eigenen Blog vorgestellt. Zweck ist es, „to develop and share open technologies, techniques and tools to safeguard software and agents in the age of AI“ – das Ziel formuliert die Ankündigung als Anspruch, „to ensure defenders everywhere have open, frontier tools they can trust and control“. Die Gründungsliste im Nvidia-Blog umfasst Nvidia, Adobe, Cadence, Capital One, Cisco, Cloudera, Cloudflare, Cognition, CrowdStrike, Databricks, Dell Technologies, DoorDash, Elastic, HPE, Hugging Face, IBM, LangChain, die Linux Foundation, Microsoft, NAVER, NetApp, Nous Research, OpenClaw, Palantir, Palo Alto Networks, Red Hat, Reflection AI, Salesforce, SAP, ServiceNow, Siemens, SK Telecom, Snowflake, SpaceXAI, Synopsys, Thinking Machines Lab und TrendAI. Eine belastbare Gesamtzahl nennen wir bewusst nicht: Help Net Security spricht von 27 Gründungsmitgliedern, die im Nvidia-Blog abgedruckte Liste ist länger; welche Zählweise gilt, ist nicht dokumentiert.
Anders als bei einer reinen Absichtserklärung benennt die Ankündigung bereits Bausteine, die die Mitglieder einbringen: das Agenten-Framework NVIDIA Labs Object-Oriented Agent (NOOA) auf GitHub, die Zero-Trust-Identitätsstandards SPIFFE/SPIRE von HPE, das Modellgewichts-Format Safetensors von Hugging Face, das Sicherheitswerkzeug Lightwell von IBM und Red Hat, Microsofts Scanning-Harness MDASH sowie den terminalbasierten Coding-Agenten Grok Build von SpaceXAI. Als Arbeitsfelder nennt die Allianz quelloffene Sicherheitswerkzeuge und Bibliotheken, offene Modelle, Datensätze, Referenzimplementierungen, Red-Teaming-Verfahren, Evaluations- und Testmethodik sowie Identitäts- und Zugriffsverwaltung. Die Linux Foundation gehört zu den Gründungsmitgliedern; die Arbeit setzt auf deren Akrites-Initiative und der Open Source Security Foundation (OpenSSF) auf.
Als Beleg für die Notwendigkeit führt die Ankündigung den Angriff auf Hugging Face an: „When closed AI tools — unable to distinguish attackers from defenders — blocked essential forensic analysis, Hugging Face ran the open-weight GLM 5.2 model on its own infrastructure to analyze more than 17,000 actions and contain the intrusion.“ Jensen Huang fasst die Logik in dem Satz zusammen, den auch die Rezeption durchgehend zitiert: „Attackers have frontier AI. Defenders need a frontier AI ecosystem—the best open and closed models, force-multiplied by a global community.“ Bemerkenswert ist die Formulierung „open and closed“ – die Allianz argumentiert nicht gegen geschlossene Modelle, sondern gegen deren Alleinstellung im Verteidigungsfall.
Der politische Rahmen ist derselbe wie bei dem offenen Brief „Open Weights and American AI Leadership“ vom 24. Juli, den viele der jetzigen Mitglieder unterzeichnet haben: In Washington wird erwogen, chinesische Open-Weight-Modelle gezielt zu sperren. Die Allianz erklärt dazu, Missbrauchsrisiken seien real, aber nicht offenen Systemen eigen – „those risks are not unique to open systems, and they must be managed wherever advanced AI is deployed“. Offen bleibt, was daraus praktisch folgt: Die Ankündigung nennt weder einen Zeitplan noch eine Governance-Struktur mit Stimmrechten, und ob aus der Liste eingebrachter Einzelwerkzeuge ein zusammenhängender Verteidigungs-Stack wird, lässt sich heute nicht beurteilen.