„Open Weights and American AI Leadership“: über 30 Tech-Firmen warnen Washington vor einem Verbot offener Modelle
Mehr als 30 Unternehmen und Organisationen haben am 24. Juli 2026 einen offenen Brief unter dem Titel „Open Weights and American AI Leadership“ veröffentlicht, der auf Microsofts Website liegt. Unterzeichner sind unter anderem Microsoft, Meta, OpenAI, Nvidia, IBM, Cisco, GitHub, Hugging Face, Mistral, Cohere, Mozilla, die Linux Foundation, Palantir, Palo Alto Networks, CrowdStrike, Perplexity, Replit, ServiceNow, Dell, Andreessen Horowitz und Y Combinator – Anthropic steht nicht auf der Liste. Der Brief fordert, offene Modelle nicht vorschnell zu beschränken, den Zugang zu Rechenkapazität für Start-ups auszubauen und in gemeinsam nutzbare Trainings-Ressourcen zu investieren. Anlass ist die in Washington erwogene Reaktion auf chinesische Open-Weight-Modelle – bis hin zu einem Verbot.
Der Brief argumentiert, offene Gewichte seien Teil des Fundaments amerikanischer KI-Führung: „Open weight models—AI models that anyone can download, inspect, modify, and run—are an important part of that foundation.“ Sicherheitspolitisch führen die Unterzeichner an, offene Modelle verbreiterten die Verteidigungsfähigkeit, erhöhten die Transparenz und ließen Schwachstellen überhaupt erst finden („Open models broaden defensive capability, increase transparency, and allow vulnerabilities to be discovered“). Konkret fordern sie dreierlei: den Zugang zu Rechenkapazität für Start-ups auszuweiten, in gemeinsam nutzbare Trainings-Ressourcen zu investieren und offene Modelle nicht vorzeitig zu beschränken, um den Wettbewerb zu erhalten.
Der politische Anlass ist explizit. Nach der Berichterstattung von TechCrunch erwägt die Trump-Regierung als Reaktion auf den Vorwurf, Moonshot habe für Kimi K3 Anthropics Fable distilliert, unter anderem ein Verbot chinesischer Open-Weight-Modelle und Sanktionen gegen chinesische KI-Firmen. Genau dort setzt der Brief an: „Distillation, or the practice of using one model's outputs to help train or improve another, is a widely used technique“, und: „Policymakers should be careful not to conflate legitimate model-development techniques with misappropriation.“ Die Schlussfolgerung der Unterzeichner lautet: „The right response to this risk is not to prohibit open weights.“ Replit-Chef Amjad Masad beschreibt gegenüber TechCrunch die befürchtete Kettenwirkung: „I think banning Chinese open models is as good as banning open models in general“ – „It's an ecosystem, and the precedent [a ban would] set is bad.“
Einordnung: Der Brief ist ein Lobby-Dokument, kein neutrales Gutachten – er liegt bezeichnenderweise auf Microsofts Unternehmensseite. The Decoder ordnet die Initiative entsprechend ein: Microsoft profitiert von einem fragmentierten Modell-Ökosystem, weil es Azure-Kunden bindet und die Zahlungen an OpenAI und Anthropic senkt, während das Unternehmen parallel seine eigene MAI-Familie in seine Produkte einzieht (siehe verwandte Depesche). Auffällig bleibt auch, wer fehlt: Anthropic, dessen Modell im Zentrum des Distillation-Vorwurfs steht, taucht in der Unterzeichnerliste nicht auf. Wie weit die Forderungen politisch tragen, ist offen – ein konkreter Rechtsakt, gegen den sie sich richten, liegt bislang nicht öffentlich vor; der Brief reagiert auf erwogene, nicht auf beschlossene Maßnahmen.