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New York Times: Washington neigt zu gezielten Sperren einzelner chinesischer Modelle – Anthropic und OpenAI werben hinter verschlossenen Türen dafür

Eine Recherche der New York Times vom 25. Juli 2026 ordnet den Streit um chinesische Open-Weight-Modelle neu: Nach Auskunft von vier mit den Beratungen vertrauten Personen neigt die US-Regierung dazu, chinesische Open-Source-Modelle „individually as a national security issue“ zu behandeln, statt ein pauschales Verbot auszusprechen. Fünf weitere Quellen berichten der Zeitung, Anthropic und OpenAI hätten in Washington für Beschränkungen offener Modelle geworben – während OpenAI zugleich den öffentlichen Brief gegen genau solche Beschränkungen unterzeichnet hat. Am 24. Juli unterschrieben zusätzlich knapp 200 Start-ups als „Little Tech Association“ Briefe gegen eine Einschränkung des Zugangs zu chinesischen offenen Modellen.

Die Recherche stammt von Mike Isaac, Kate Conger, Ana Swanson, Meaghan Tobin und Manuel Orbegozo und erschien am 25. Juli 2026. Ihr Kern zur Regierungslinie: Vier mit den Beratungen vertraute Personen beschreiben, die Regierung werde chinesische Open-Source-Modelle eher „individually as a national security issue“ regulieren als ein pauschales Verbot verhängen. Beteiligt an der Debatte sind demnach Finanzminister Scott Bessent und Michael Kratsios, Wissenschafts- und Technologieberater des Präsidenten. Bessent wird mit dem Satz zitiert: „Open source is not open season on American IP.“ Kratsios bleibt bei seiner Linie aus der Vorwoche: „Large-scale, covert industrial distillation aimed at stealing proprietary U.S. technology and undermining American research is unacceptable.“

Der zweite Befund betrifft die Labore. Nach Angaben von fünf mit den Gesprächen vertrauten Personen haben Anthropic und OpenAI bei Regulierern in Washington für Beschränkungen offener Modelle geworben; OpenAI habe zudem verpflichtende, staatlich überwachte Sicherheitsprüfungen für neue Modelle vorgeschlagen – eine Auflage, die offene Veröffentlichungen praktisch erschweren würde. Öffentlich steht OpenAI dagegen auf der Unterzeichnerliste des Briefes „Open Weights and American AI Leadership“, der genau solche Beschränkungen ablehnt (siehe verwandte Depesche). Anthropic hat den Brief nicht unterzeichnet.

Öffentlich eskalierte der Streit am 25. Juli auf X: Nvidia-Chef Jensen Huang schrieb, „the world needs both frontier closed models and frontier open models“; Microsoft-Chef Satya Nadella antwortete neun Minuten später zustimmend. Elon Musk kommentierte „Jensen is right. This has my full support“, Mark Zuckerberg steuerte „Open source is a positive and important force“ bei. Der Investor Bill Gurley fasst die Lagerbildung gegenüber der Zeitung so zusammen: „You have two factions fighting over this issue. There’s the people who want OpenAI and Anthropic to own everything, and then there’s everybody else, including customers.“ Bereits am 24. Juli hatten knapp 200 Start-ups unter dem Namen „Little Tech Association“ Briefe gegen eine Beschränkung des Zugangs zu chinesischen offenen Modellen unterzeichnet – eine von der Industriekoalition getrennte Initiative.

Zur Beleglage und den Grenzen: Die beiden zentralen Aussagen – die Neigung zur Einzelfall-Regulierung und das private Werben von Anthropic und OpenAI – stützen sich ausschließlich auf ungenannte Quellen (vier bzw. fünf Personen); eine Stellungnahme der beiden Unternehmen dazu ist in der uns zugänglichen Fassung nicht wiedergegeben. Ein Rechtsakt liegt weiterhin nicht vor, es geht um erwogene, nicht um beschlossene Maßnahmen. Anzumerken ist außerdem, dass die New York Times OpenAI und Microsoft wegen Urheberrechtsverletzung verklagt hat – beide Unternehmen weisen die Vorwürfe zurück; die Zeitung führt diesen Hinweis in eigener Sache selbst mit.