Laut README des Repositorys openai/math entstanden die Ergebnisse in einem festen Verfahren mit einem unveröffentlichten internen Modell, im Schnitt mit drei Stunden ChatGPT-Pro-Denkrechenzeit je Ergebnis. OpenAI hatte seine Auswertung auf offene Forschungsprobleme ausgeweitet, nachdem die bisherigen Mathematik-Benchmarks gesättigt waren. Aus den Antworten auf rund 4.000 Probleme blieben nach einer nicht näher beschriebenen Signifikanzschwelle die 722 Manuskripte übrig. Einen Modellnamen nennt OpenAI nicht.
Die Ergebnisse stehen nach OpenAIs eigener Angabe auf unterschiedlichen Prüfständen. Für einen Teil liegen maschinenprüfbare Beweise im Beweisassistenten Lean bei, weitere sollen folgen; zu den nicht formalisierten schreibt OpenAI, sie könnten Fehler enthalten. Woher die 4.000 Probleme stammen und wer die Bedeutung der Ergebnisse beurteilt hat, sagt das README nicht. Menschliche Mitarbeit erwähnt es nur einmal: Eine Arbeit zur nullstellenfreien Region der Riemannschen Zetafunktion wurde für die Lesbarkeit überarbeitet.
Die Advisory Group on Mathematics and AI, neun Mathematikerinnen und Mathematiker, die OpenAI beraten, stellte am 6. Oktober klar, ihre Rolle sei weder eine Bewertung der Ergebnisse noch eine Billigung von OpenAIs Vorgehen; die nötige Prüfung könne nur die mathematische Gemeinschaft leisten. Ende September hatte die Gruppe Labore aufgefordert, Modellname, Prompts und Rechenkosten offenzulegen und Mathematik nicht als Werbemittel für Modelle zu nutzen.
Die ersten Reaktionen gehen weit auseinander. Levent Alpöge, laut eigenem Profil bei Anthropic tätig, nannte die Veröffentlichung auf X den bedeutendsten Moment der Mathematikgeschichte und verwies zugleich auf Forschende, denen Ergebnisse zuvorgekommen seien. Der Mathematiker Daniel Litt widersprach: allenfalls als Frühindikator. Die verbreitete Angabe, die Sammlung löse 90 der 500 wichtigsten offenen Probleme, stammt aus einem Hacker-News-Kommentar und stützt sich auf eine von Sprachmodellen erstellte Rangliste, nicht auf ein Fachurteil.
Nachtrag vom 9. Oktober 2026: Am 7. Oktober hat OpenAI drei der Manuskripte wegen eines Vorzeichenfehlers zurückgezogen und 14 weitere überarbeitet. Die Sammlung umfasst seitdem 719 Manuskripte, von denen laut OpenAI rund 42 Prozent in Lean formalisiert sind.
Aktualisiert am 9. Oktober 2026.