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Aus „können wir nicht ausschließen“ wird „erreicht“: OpenAI erklärt Astra zum ersten Modell über der kritischen Cyber-Schwelle – 100 Prozent auf dem eigenen Exploit-Benchmark, zwei echte Zero-Days

OpenAI hat am 1. September 2026 unter „Path to Astra: critical capabilities and frontier safeguards“ nachgelegt und die Einstufung festgezogen, die das Unternehmen am 7. August noch unter Vorbehalt gestellt hatte. Astra ist danach das erste Modell, das die Stufe „Critical“ für Cyber-Fähigkeiten im eigenen Preparedness Framework erreicht – und das erste, das OpenAI in diesem Zustand ausliefern will. Erstmals nennt das Unternehmen auch Zahlen: einen vollen Durchgang auf dem hauseigenen ExploitBench und zwei bis dahin unbekannte Schwachstellen, die das Modell im Test selbst fand und zu einer Exploit-Kette verband; die Meldung an die Betreuer laufe. Der vollständige Cyber-Zugang bleibt einer kleinen Gruppe von Alpha-Testern vorbehalten.

Was neu ist gegenüber dem 7. August. Fortune, das den Beitrag geöffnet hat, beschreibt Astra als „the first model it plans to release that meets its ‚critical cybersecurity capability threshold‘“ – die Formulierung ist damit doppelt verschärft: nicht mehr „nicht auszuschließen“, sondern „erreicht“, und nicht mehr ein internes Forschungsobjekt, sondern ein Produkt vor der Auslieferung. TechCrunch fasst denselben Punkt als „the first large language model to meet its ‚critical cybersecurity threshold‘“ zusammen und zitiert OpenAI mit „We plan to make Astra available soon“. Einen Termin nennt keine der von uns geöffneten Wiedergaben.

Die Zahlen, die im August fehlten. TechCrunch und GIGAZINE nennen übereinstimmend einen vollen Durchgang auf ExploitBench, dem hauseigenen Test für die Entwicklung von Exploits aus bekannten Schwachstellen – GIGAZINE beziffert ihn als „a perfect score of 100%“. Fortune beschreibt den Test als Sammlung von 20 hochgradig schweren Schwachstellen und berichtet, Astra habe dabei GPT-5.6 Sol übertroffen; GIGAZINE ergänzt, das Modell habe die Aufgaben „with far fewer output tokens than GPT-5.6 Sol“ gelöst. Den härtesten Befund tragen alle drei: Das Modell fand im Test zwei bis dahin unbekannte Schwachstellen und verkettete sie zu einem funktionierenden Exploit; OpenAI sei „in the process of disclosing these two vulnerabilities to the maintainers“. Genau das – eigenständig gefundene und ausgenutzte Zero-Days – ist die Definition, an der das Preparedness Framework die Stufe „Critical“ festmacht.

Wer Zugang bekommt. Der volle Cyber-Zugang geht laut Fortune zunächst an eine kleine Gruppe von Alpha-Testern: „individuals and organizations that are responsible for protecting critical digital infrastructure and, broadly, critical infrastructure“, darunter die US-Regierung und Firmen aus OpenAIs Programm für vertrauenswürdigen Cyber-Zugang. GIGAZINE berichtet als einzige Quelle, die fortgeschrittenen Cyber-Funktionen sollten später über Daybreak Blue zugänglich werden – das ist der Zugangsweg, den OpenAI im Juli für die Cyber-Funktionen von GPT-5.6 eingeführt hat. Wir führen diesen Punkt als einfach belegt.

Die Verzögerung, die dazugehört. Fortune nennt den Grund, warum Astra überhaupt noch nicht da ist: Das Modell sei „delayed a certain number of weeks because everything was paused after Hugging Face“. Damit verbindet sich diese Meldung mit der Vorfallskette vom Juli – der Einbruch, für den nach OpenAIs eigener Darstellung ein anderes unveröffentlichtes Modell verantwortlich war, hat die Entwicklung des als kritisch eingestuften Nachfolgers aufgehalten. An Schutzmaßnahmen nennen die Wiedergaben ein verbessertes Modell-Harness gegen Jailbreaks, das Zurückhalten von Antworten gegenüber „accounts assessed as higher risk“, eine Überwachung der Gedankenkette und Tests, die den Ausbruch aus der Trainingsumgebung verhindern sollen. Eine Zahl dazu gibt es nur bei Fortune: Astra habe 91,5 Prozent der unzulässigen Anfragen abgelehnt, GPT-5.6 Sol 59 Prozent.

Zum Vergleich, am selben Tag. Anthropic hat für Claude Fable 5.1 und Mythos 5.1 ebenfalls am 1. September Cyber-Bestwerte gemeldet – „the strongest overall cyber capabilities of any model we have released“ – und beschreibt in seiner System Card einen internen Test, der „41 recent (post-2023) vulnerabilities in the V8 engine“ adressiert. Beide Häuser messen ihre Modelle also inzwischen daran, ob sie funktionierende Exploits für reale Browser-Schwachstellen bauen; beide Testsuiten sind hauseigen, unterschiedlich zusammengesetzt und nicht gegeneinander vergleichbar. Ein anbieterunabhängiger Cyber-Benchmark, an dem sich diese Angaben prüfen ließen, existiert nicht.

⚠️ Zur Beleglage. `openai.com` weist unseren Abruf weiterhin mit HTTP 403 ab – zum siebten Lauf in Folge; die Primärquelle ist real und wir führen sie mit, gelesen haben wir sie nicht. Belegt ist der Fund über drei unabhängig voneinander geöffnete Wiedergaben (Fortune, TechCrunch, GIGAZINE); The Verge bleibt für unser Werkzeug unerreichbar. Eine Unschärfe notieren wir: Fortune schreibt die 20 hochgradig schweren Schwachstellen dem ExploitBench selbst zu, während der Suchindex dieselbe Zahl einem gesondert benannten „ExploitBench – Internal Port (Juni–August 2026)“ zuordnet; welcher Test welchen Umfang hat, ist aus den geöffneten Seiten nicht zu entscheiden, und wir übernehmen die Zuordnung deshalb nicht. Sämtliche Fähigkeits- und Ablehnungswerte sind anbieter-selbstberichtet, das Modell ist nicht verfügbar, und eine Nachmessung durch Dritte ist damit ausgeschlossen.