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Zweiter Mathematiker wirft OpenAI ausweichende Auskunft vor

Der Dresdner Geometrie-Professor Andreas Thom veröffentlichte am 9. September 2026 den E-Mail-Wechsel, den er nach OpenAIs Ankündigung einer nicht-sofischen Gruppe mit zwei OpenAI-Forschern führte. Auf seine Frage, ob seine ChatGPT-Gespräche ins Training oder in den Lösungsprozess eingingen, habe Mark Sellke nur geantwortet, das sei nicht geschehen.

Aussagen gegen die Quellen geprüft · 10. September 2026

Anlass ist eines der zehn Ergebnisse, die OpenAI am 1. August 2026 vorlegte: eine explizit konstruierte nicht-sofische Gruppe. Sofisch heißt grob, dass sich eine Gruppe beliebig genau durch endliche Permutationen annähern lässt; ob es überhaupt nicht-sofische Gruppen gibt, galt als offene Frage. Nach Thoms Darstellung stützte sich das Ergebnis auf Methoden, die er gemeinsam mit Gábor Kun entwickelt hat.

Thom schrieb kurz darauf an Mark Sellke und Sébastien Bubeck. Er hielt fest, er habe das Expander-Matching-Problem und Erweiterungen der Arbeit mit Kun über Monate hinweg aktiv mit ChatGPT besprochen, und fragte, ob das Teil der Trainingsdaten gewesen sei oder dem Lösungsprozess offenstand. Sellkes vollständige Antwort lautete: „Regarding your conversations with ChatGPT: that did not happen.“

Damit seien zwei verschiedene Fragen mit einem Satz abgeräumt worden, schreibt Thom. Rückblickend decke die pauschale Antwort nur den zweiten Punkt ab, ohne Einschränkung, Erklärung oder Beleg; er halte das mindestens für unredlich. Zugleich verweist er auf OpenAIs Formulierung im Fall Buckmaster, wonach sich ein Beitrag anonymisierter Nutzungsdaten zur Modellverbesserung nicht ausschließen lasse.

Am 10. September stellte Thom seine Folgerungen nach. Ein formales Beweiszertifikat sei mit der Entdeckung eines neuen Sterns vergleichbar: Es bestätige, dass etwas da ist, erkläre aber nicht, was es bedeutet. Fortgeschrittene KI werde zur Grundversorgung und gehöre deshalb wie Wasser oder Strom geregelt – mit öffentlichen Pflichten, strengem Datenschutz und unabhängiger Aufsicht.

Ein Anbieter dürfe nicht zugleich die Ideen seiner Nutzer einsammeln, alle Belege über deren Verwendung kontrollieren und diesen Vorsprung gegen dieselben Nutzer ausspielen, schreibt er weiter, und ruft die Fachbereiche zur Beratung auf. Sellkes Satz stammt aus einem privaten E-Mail-Wechsel und ist allein über Thoms Wiedergabe belegt; eine Stellungnahme OpenAIs dazu ist bislang nicht bekannt.