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Thomson Reuters baut sein eigenes Frontier-Modell auf Alibabas Qwen – 40 Mio. $, und die Bestwerte kommen erst mit dem eigenen Archiv

Thomson Reuters hat am 24. August 2026 ein eigenes Sprachmodell namens „Thomson“ vorgestellt. Die Pressemitteilung nennt 40 Mio. US-Dollar Investition, Training auf Inhalten aus Westlaw, Practical Law, Checkpoint und Reuters – bislang „less than 10% of Thomson Reuters content“ – und ordnet das Ergebnis mit „early evaluations put Thomson on par with the latest frontier models“ ein. Welches Fundament darunter liegt, sagt die Mitteilung nicht; laut The Decoder ist es Alibabas offenes Qwen, zuletzt Qwen3.5-397B, und die vielzitierten 450.000 US-Dollar decken nur den finalen Trainingslauf. Ausgeliefert wird Thomson im nächsten Release von CoCounsel Legal, eine kleine Variante soll für nicht-kommerzielle Forschung auf Hugging Face landen.

Aussagen gegen die Quellen geprüft · 24. August 2026

Was die Mitteilung sagt: Thomson Reuters beschreibt am 24. August 2026 ein Modell namens „Thomson“, das auf „a strong open-source foundation“ aufsetze und mit „decades of authoritative content from Westlaw, Practical Law, Checkpoint, and Reuters“ weitertrainiert wurde. Genannt werden 40 Mio. US-Dollar Investition und der Hinweis, bislang seien „less than 10% of Thomson Reuters content“ ins Training geflossen. Numerische Benchmark-Werte enthält die Mitteilung nicht, nur die Formulierung „early evaluations put Thomson on par with the latest frontier models“. CTO Joel Hron wird zitiert mit: „For years, the AI industry has treated scale as the answer: bigger models, more compute, more money. Thomson shows there is another path.“ Verfügbar wird das Modell „in the upcoming release“ von CoCounsel Legal; eine kleine Version soll für akademische und nicht-kommerzielle Nutzung auf Hugging Face erscheinen.

Was die Mitteilung nicht sagt: Das Basismodell. Laut The Decoder ist es Alibabas offenes Qwen, zuletzt Qwen3.5-397B; eine Zwischenstufe namens „Snowdon“ entstand gemeinsam mit dem Imperial College. Die Kostenaufteilung ist dort ebenfalls präziser: rund 40 Mio. US-Dollar über mehr als zwei Jahre für Personal und Rechenleistung, während die kolportierten 450.000 US-Dollar nur den abschließenden Trainingslauf der aktuellen Version abdecken. Die von Thomson Reuters selbst berichteten Werte: Stanford LegalBench 0,823, hinter Gemini 3.1 Pro und GPT-5.5; Harvey Legal Agent Benchmark knapp hinter Opus 4.8; bei PrBench Legal vorn; in Reasoning und Coding deutlich schwächer. Im Deep-Research-Test kommt Thomson mit reinem Webzugriff auf 0,53 und mit Zugriff auf die Konzerninhalte auf 0,83.

Die unabhängige Gegenprobe: Bob Ambrogi hat die Zahlen am 4. August 2026 – gut drei Wochen vor dem Start, die Benchmarks waren vorab veröffentlicht – im LawSites-Blog nachgerechnet. Seine Tabelle: LegalBench Thomson 0,823 gegen Gemini 0,843, GPT-5.5 0,832 und Opus 0,818; PrBench Legal Hard Thomson 0,352 gegen GPT-5.5 0,333, Opus 0,315 und Gemini 0,293; Harvey Legal Agent Thomson 0,857 gegen Opus 0,869. Sein Befund: „The results are more mixed than the headline suggests.“ Dazu drei Vorbehalte – Thomson habe Test-Time-Scaling genutzt, während GPT-5.5 im Nicht-Reasoning-Modus antrat („that suggests that the benchmark may have understated OpenAI’s performance“); der zweite Durchgang mit Westlaw-Zugriff messe vor allem die Retrieval-Quelle („this is less a test of the models than of the retrieval sources behind them“); und schließlich seien „these benchmark results are entirely self-reported on the part of Thomson Reuters, with no mention of any independent third-party verification“.