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4.480 Suchanfragen über den DSA-Datenzugang: Google zeigt bei Wahlfragen seltener KI-Übersichten – und fast die Hälfte der Links kommt von zehn Anbietern

AlgorithmWatch hat im Juli 2026 gemessen, wann Googles KI-Übersichten bei Wahlthemen erscheinen und woher deren Quellen stammen, und die Ergebnisse am 1. September 2026 veröffentlicht. Die Organisation hat „über einen Antrag nach Artikel 40 Absatz 12 des Digital Services Acts (DSA) Zugang zu Googles ‚Search Researcher Result‘-Softwareschnittstelle erhalten“ und darüber „4.480 Suchanfragen zu den Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gestellt“. Befund: Umfragen lösen keine KI-Übersichten aus, während „Fragen zu Parteien und einzelnen Kandidat*innen in 40 bis 50 Prozent der Fälle zu einer KI-Übersicht führen“ – und „Fast die Hälfte aller angezeigten Links stammten von nur zehn verschiedenen Anbietern“.

Methode: AlgorithmWatch erhob im Juli 2026 über die per DSA-Antrag freigeschaltete Schnittstelle „Search Researcher Result“ insgesamt 4.480 Suchanfragen zu den Landtagswahlen im September 2026 in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Untersucht wurde dreierlei: ob überhaupt eine KI-Übersicht erscheint, welche Quellen sie zitiert und wie sie politische Positionen beschreibt.

Ergebnis eins – die Auslösung ist ungleich verteilt und nicht erklärt: Zu Wahlthemen erscheinen deutlich seltener KI-Übersichten als zu unpolitischen Inhalten; Umfragen lösen gar keine aus, „Fragen zu Parteien und einzelnen Kandidat*innen in 40 bis 50 Prozent der Fälle“. Auch zwischen den Ländern klafft eine Lücke: In Sachsen-Anhalt wurden deutlich weniger KI-Übersichten ausgespielt als in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Welche Kriterien dahinterstehen, legt Google nicht offen.

Ergebnis zwei – die Quellenbasis ist schmal: „Fast die Hälfte aller angezeigten Links stammten von nur zehn verschiedenen Anbietern.“ Bei Fragen zu Kandidat*innen ist YouTube das meistzitierte Angebot – ein Hinweis auf die Bevorzugung konzerneigener Plattformen, den das Unternehmen laut AlgorithmWatch „auf Nachfrage bestreitet“. Über die Quellentypen hinweg (Social Media, öffentlich-rechtliche Medien, Wikipedia, Regierungs- und Parteiseiten) fällt das Bild relativ ausgewogen aus; kritisiert wird, dass Parteiseiten ohne Einordnung neben neutralen Informationsquellen stehen. Drittens beschreiben die Übersichten politische Positionen oft nicht neutral – positive Formulierungen ähneln den Selbstdarstellungen der Kandidat*innen und Parteien.

Clara Helming, Senior Policy Managerin bei AlgorithmWatch, zieht daraus diesen Schluss: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Google im Hintergrund bewusste Entscheidungen trifft, wann eine KI-Übersicht zu den Wahlen angezeigt wird, wie die Inhalte formuliert sind und welche Quellen zitiert werden. Allerdings macht das Unternehmen diese Entscheidungen nicht transparent.“ Einordnung und Grenzen: Es ist eine Momentaufnahme aus einem Monat und drei Bundesländern, keine Längsschnittmessung; die Ergebnisse gelten für Wahlfragen und lassen sich nicht auf andere Themen übertragen. ⚠️ Eine unabhängige Replikation gibt es nicht – die Zahlen stammen aus der Erhebung der Organisation selbst, die sich seit Jahren kritisch mit Google befasst. Der DSA-Zugang macht die Erhebung aber nachvollziehbarer als die üblichen Scraping-Stichproben, weil die Schnittstelle vom untersuchten Unternehmen bereitgestellt wird.