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Vier Chatbots, drei Sprachen, 270 Antworten: In mindestens jeder vierten Auskunft zur ungewollten Schwangerschaft steht ein Link zu Abtreibungsgegnern

AlgorithmWatch hat am 22. August 2026 eine länderübergreifende Untersuchung veröffentlicht, für die drei Journalistinnen ChatGPT-5, Gemini 3, Grok 4.3 und Claude Sonnet 4.8 mit drei erfundenen Personas und sieben Fragen zur ungewollten Schwangerschaft auf Englisch, Deutsch und Italienisch befragt haben. Befund über 270 Antworten: „In at least one out of four of all queries, the chatbots included at least one link to an anti-abortionist website in their answers.“ Am häufigsten erschien die in Italien registrierte Beratungsorganisation Profemina – in rund 17 Prozent aller Antworten über alle Sprachen und Modelle hinweg.

Die Anlage der Untersuchung steht im Beitrag: Drei Personas – eine 16-jährige Schülerin, eine 28-jährige Fachkraft nach einem Jobwechsel, eine 38-jährige alleinerziehende Mutter ohne Arbeit – stellen „seven prompts covering common concerns“ an vier Chatbots, in drei Sprachen und mit Blick auf Italien, Deutschland und das Vereinigte Königreich. Genannt sind ChatGPT-5 (OpenAI), Gemini 3 (Google), Grok 4.3 (xAI) und Claude Sonnet 4.8 (Anthropic). Ausgewertet wurden nach eigener Angabe 270 Antworten; der zentrale Satz lautet: „In at least one out of four of all queries, the chatbots included at least one link to an anti-abortionist website in their answers.“

Die am häufigsten empfohlene Organisation ist Profemina: „an international counseling service for unplanned pregnancies currently registered in Italy, appeared in around 17% of the responses throughout all languages and models“. Die Verteilung ist ungleich – bei Fragen nach Erfahrungsberichten verwiesen 33 Prozent der deutschsprachigen und 29 Prozent der italienischsprachigen Anfragen auf Profemina, gegenüber 12 Prozent der englischsprachigen. Die Einordnung als Abtreibungsgegner begründet der Beitrag mit den Verbindungen zu Heartbeat International, einer der ältesten US-amerikanischen Anti-Abtreibungs-Organisationen, und mit Vorwürfen einseitiger Beratung aus den Jahren 2018/2019. Für den deutschsprachigen Raum notiert die Untersuchung außerdem, die Caritas sei „mentioned in 11 out of 12 conversations in German“ genannt worden.

⚠️ Zwei Grenzen der Beleglage benennen wir ausdrücklich. Erstens rechnet sich die Zahl der Antworten aus den angegebenen Bestandteilen nicht glatt auf: drei Personas, sieben Fragen, vier Modelle und drei Sprachen ergäben 252 Antworten, angegeben sind 270; wie die Differenz zustande kommt, führt der Text nicht vor. Zweitens nennt der Beitrag keinen Erhebungszeitraum – wann genau getestet wurde, steht dort nicht. Für ein Feld, in dem Modellstände im Wochentakt wechseln, ist das die wichtigere der beiden Lücken.

Die Anbieter wurden konfrontiert. OpenAI antwortete mit dem Hinweis „ChatGPT is designed to support, not replace, medical care“, Google verwies auf seine Richtlinien; Anthropic und xAI reagierten nach Angabe der Autorinnen nicht. Die Untersuchung entstand im Rahmen des Algorithmic Accountability Reporting Fellowship von AlgorithmWatch (Jahrgang 2025/2026) und erschien zeitgleich bei netzpolitik.org, Guerre di Rete und OpenDemocracy – die deutschsprachige Fassung ist also dieselbe Arbeit, keine unabhängige zweite Messung.

Was folgt daraus für die Praxis? Die Empfehlungsschicht eines Chatbots ist kein Nebenprodukt der Textausgabe, sondern eine eigene redaktionelle Entscheidung – und sie wird bislang kaum geprüft. Wer Auskunftssysteme in Beratungskontexten einsetzt, misst üblicherweise die Richtigkeit der Aussagen; diese Untersuchung zeigt, dass die Liste der verlinkten Anlaufstellen die eigentliche Weiche stellt, und dass sie je nach Sprache anders gestellt wird.