Das Labor arbeitet nach Kauderer-Abrams’ Darstellung wie ein übliches Biotech-Labor: eigene Forschung, dazu Kooperationen mit Partnern von außen. Schwerpunkt sei Grundlagenbiologie, nicht die Suche nach Wirkstoffen. Seine Begründung für echte Laborarbeit trotz starker Modelle: Der letzte Test in der Biologie finde weiterhin im Labor statt, und das werde noch eine Weile so bleiben.
Das am 17. September gestartete Programm heißt Life Sciences Verification Program und läuft zunächst als Beta für Teams und Einrichtungen, nicht für Einzelpersonen. Es kennt zwei Stufen: Die Standardstufe deckt den Großteil der Biologie-Arbeit ab – Wirkstoffsuche, Forschung und Entwicklung, Herstellung, klinische Entwicklung – und wird jährlich erneuert. Die Hochrisiko-Stufe hebt für einzelne Vorhaben sämtliche Biologie-Schutzfilter auf und wird halbjährlich erneuert.
Vor der Freigabe prüft Anthropic Forschungsnachweise, Sicherheitsstandards und die ethische Aufsicht der Antragsteller; diese müssen ihre Einsatzzwecke angeben. Nachträglich wertet das Unternehmen die Nutzung offline aus, um Muster außerhalb des angegebenen Zwecks zu erkennen. Erreichbar ist das Programm über die Entwicklerkonsole sowie über die Enterprise- und Team-Tarife; Einzelpersonen-Tarife sind nicht dabei.
Die Laborarbeit steht neben einem Zukauf: Im April 2026 übernahm Anthropic nach TechCrunch-Angaben das bis dahin verdeckt arbeitende KI-Biotech-Unternehmen Coefficient Bio. Beides zusammen zeigt die Spannung im eigenen Haus. Firmenchef Dario Amodei stellt in Aussicht, KI könne die meisten schweren Krankheiten in fünf bis zehn Jahren heilen; zugleich zählt Biologie bei Anthropic zu den am schärfsten abgesicherten Bereichen.