Die Historie des Hauptzweigs ist laut Anthropic fast 100 Gigabyte groß, eine komprimierte Arbeitskopie über 25 Gigabyte. Allein für die automatischen Tests (CI) wird der Code täglich rund 25 Millionen Mal ausgecheckt; vollständig über Git geholt, wären das über 600 Petabyte Datenverkehr am Tag. Zeitweise betrieb das Unternehmen mehrere hundert interne Git-Spiegel, um die Last abzufangen.
Scion geht davon aus, dass fast alle Nutzer Agenten und Rechenjobs sind, die ständig online sind. Anders als bei Git hält kein Client eine vollständige Kopie: Der Server beantwortet Fragen zu Historie und Urheberschaft einzelner Zeilen, erzeugt Commits und führt Merges aus. Arbeitskopien enthalten nur angeforderte Verzeichnisse oder laden Dateien erst bei Bedarf. Als Vorbilder nennt Anthropic Googles Piper und Metas Sapling.
Nach Anthropics Angaben braucht die Scion-Infrastruktur 200-mal weniger Prozessorleistung und Arbeitsspeicher als die frühere Spiegel-Infrastruktur, Checkouts dauern Sekunden statt Minuten. Scion, das Code-Review-Werkzeug Antique und ein halbes Dutzend weiterer Systeme baute ein Team aus sieben Personen. Eine frühe interne Fassung von Claude Mythos Preview schrieb die Import-Pipeline von Git nach Scion neu; sie brauchte danach 20-mal weniger Speicher und lief viermal schneller. Alle Zahlen stammen von Anthropic.
Alle beteiligten Ingenieure halten Claude laut dem Beitrag inzwischen für den besseren Programmierer. Ihre Aufgabe sei oft gewesen, Claude „Nein“ zu sagen, wenn Agenten zentrale Systemregeln verletzten oder Teile überkonstruierten. Menschliche Prüfer lesen Änderungen nicht mehr Zeile für Zeile, sondern beurteilen deren Absicht.
Scion erscheint nicht als offene Software; als allgemeinen Git-Ersatz hält Anthropic es für ungeeignet. Stattdessen sollen Plattformen wie GitHub und GitLab einzelne Ideen übernehmen, etwa serverseitige Abfragen. The Register erinnert daran, dass GitHub schon im April Ausfälle mit dem rasanten Wachstum von Pull Requests und Commits begründet hatte.