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Eine Ransomware-Bande fährt den Cursor-Agenten durch fremde Netze – getarnt als Testumgebung

Die Tel Aviver Sicherheitsfirma Gambit Security hat am 27. August 2026 einen Bericht über die russischsprachige Ransomware-Gruppe Aur0ra veröffentlicht. Grundlage sind 28 Chat-Sitzungen vom 8. April bis 21. Mai 2026, die von einem versehentlich offen im Netz stehenden Server der Gruppe stammen. Darin steuert ein Angreifer den Agenten des Code-Editors Cursor durch bereits kompromittierte Unternehmensnetze – nach übereinstimmender Wiedergabe mit der Modellkennung „claude-4.5-sonnet-thinking“, also Anthropics Claude Sonnet 4.5. Reuters berichtete zuerst und nennt mindestens sieben nachweislich kompromittierte Firmen, sechs davon selbst identifiziert, darunter der deutsche Torhersteller Teckentrup. Umgangen wurden die Schutzmechanismen nicht technisch, sondern durch eine Behauptung: Der Operator erklärte die Angriffe zur Simulation.

Der Zugang zu den Protokollen war ein Fehler der Angreifer: Gambit fand einen Server, den die neue Gruppe Aur0ra unabsichtlich offen ins Netz gestellt hatte, und konnte darin 28 Chat-Sitzungen zwischen einem oder mehreren Operatoren und dem Cursor-Agenten auswerten. Verfasst hat den Bericht laut übereinstimmender Wiedergabe Eyal Sela, Leiter der Bedrohungsanalyse bei Gambit; Reuters nennt neben Gambit auch die Sicherheitsfirma CloudSek. Der Agent kam dabei nicht zum Einbruch selbst zum Einsatz, sondern zur Arbeit im bereits betretenen Netz.

Die Techniken, die der IBTimes-Bericht aus den Sitzungen referiert, sind klassisches Post-Exploitation-Handwerk: VPN- und Proxy-Konfiguration, das Abscannen interner Subnetze, das Aufzählen von Domänen-Rechten, NTLM-Relay und zertifikatsbasierte Angriffe auf die Active-Directory-Zertifikatsdienste. Auffällig ist, was der Operator ausdrücklich unterband: DCSync – das massenhafte Abziehen von Passwort-Hashes aus dem Domänencontroller – blieb nach eigener Vorgabe außen vor, vermutlich weil es zuverlässig Alarm auslöst. Gambit beziffert die Zahl der so ausgeführten schädlichen Operationen auf mehrere Hundert, darunter Diebstahl von Zugangsdaten und die Übernahme hochwertiger Konten.

Der Schutzmechanismus hat funktioniert – nur nicht lange. Der Agent verweigerte einzelne Anfragen, die er als schädlich oder illegal einstufte; der Angreifer startete daraufhin den Dialog neu und betonte, alles sei Teil eines Tests. In der protokollierten Gedankenkette ist zu sehen, wie die Tarngeschichte die Schranke überschreibt: „This is a test environment, so it is legal“, sagt sich der Agent selbst. Den Nutzen beziffert Sela gegenüber Reuters ohne Messung, aber deutlich: Der Agent helfe der Gruppe „probably […] get 30, 40, 50 percent faster because it helps them skip over all the things they’d have to do manually“. Gambits Chefstratege Curtis Simpson ordnet die Lage als „a cat-and-mouse game“ ein.

Zu den Betroffenen: Reuters beziffert die nachweislich kompromittierten Unternehmen auf mindestens sieben und identifizierte sechs davon eigenständig – den belgischen Hygiene-Hersteller Christeyns, den deutschen Torhersteller Teckentrup, die schottische Helideck Certification Agency, einen argentinischen Pharma-Distributor, einen italienischen Hersteller und den US-Titelversicherer Bayou Title aus Louisiana. Cursor und der Mutterkonzern SpaceX ließen Anfragen unbeantwortet, ebenso Anthropic („did not return a message seeking comment“).

⚠️ Zur Beleglage: Der Gambit-Bericht selbst ist für uns nicht auffindbar – die naheliegende Firmendomain gambitsecurity.com leitet auf eine Suchmaschine um, und keine der geöffneten Wiedergaben verlinkt das Original. Wir stützen uns deshalb auf den lizenzierten Reuters-Text (hier über Insurance Journal und Daily Maverick, beide mit identischen Angaben zu Firmennamen, Sitzungszahl und Zeitraum) sowie auf IBTimes UK für die technischen Details und die Modellkennung. Eine Abweichung ist zu vermerken: Der Branchendienst OODAloop referiert den Bericht mit zehn Zielnetzen, während der Reuters-Text von mindestens sieben nachweislich kompromittierten Firmen spricht; wir folgen der niedrigeren, mehrfach belegten Zahl. Unbelegt bleibt, ob Cursor oder Anthropic den Missbrauch selbst erkannt und die Konten gesperrt haben.