Der Vorgang, so weit er belegt ist: OpenAI hat begonnen, Nutzerinnen und Nutzer im EWR und in der Schweiz per E-Mail über eine Änderung der Datenschutzbestimmungen zu unterrichten; die neue EU-Datenschutzrichtlinie ist auf den Seiten des Unternehmens als Vorschau abrufbar und trägt nach der Wiedergabe von t3n das Datum 14. August 2026. In der E-Mail heißt es nach der von Trending Topics zitierten Fassung, Anzeigen könnten „ab Ende dieses Monats in den Plänen Free und Go erscheinen“. Trending Topics hält im selben Atemzug fest: „Ein konkretes Datum nennt OpenAI nicht.“ Die deutschsprachige Rezeption bei t3n formuliert dagegen zugespitzt „Ende August startet OpenAI Anzeigen in Deutschland“ und nennt Deutschland, Frankreich, Irland und Singapur als neu hinzukommende Märkte. Wir halten beide Stände getrennt: Angekündigt ist ein Zeitfenster, kein Termin.
Wen es betrifft, ist unverändert zum bisherigen Test und wird von allen drei geöffneten Rezeptionen gleich beschrieben: Anzeigen sehen die Gratisstufe Free und die günstige Bezahlstufe Go, die Trending Topics für Österreich und Deutschland mit 7,99 Euro im Monat beziffert. Werbefrei bleiben Plus, Pro, Business, Enterprise und Education. Neu ist eine dritte Möglichkeit, die es im bisherigen Test so nicht gab: Nach OpenAIs eigener Hilfeseite können Nutzer der Gratisstufe auf eine „Ads-Free experience“ umschalten – ohne Anzeigen, aber, so die dort wiedergegebene Formulierung, mit geringeren Nutzungslimits und eingeschränktem Funktionszugang. Trending Topics und t3n beschreiben dieselbe Option; mobiflip erwähnt sie auf gezielte Nachfrage nicht.
Der inhaltlich wichtigste Unterschied steckt in den Auswahlsignalen. Für den US-Test hatten wir am 16. August drei Signale festgehalten: das Thema des laufenden Gesprächs, frühere Chats und frühere Interaktionen mit Anzeigen. Für den EWR und die Schweiz nennt Trending Topics dagegen ausschließlich Kontextmerkmale ohne Verlaufsbezug – „das aktuelle Thema der laufenden ChatGPT-Unterhaltung, der ungefähre Standort, der Gerätetyp, die Tageszeit sowie die Sprache“. Die Personalisierung, also der Rückgriff auf das breitere ChatGPT-Verhalten einschließlich Erinnerungen und jüngerer Chats, steht dort „vorerst nicht zur Verfügung“; auf OpenAIs Hilfeseite findet sich dazu der Satz, personalisierte Anzeigen seien im Europäischen Wirtschaftsraum und in der Schweiz zunächst nicht verfügbar. Wo sie später angeboten werden, soll ihr eine Abfrage vorausgehen – nach der von Trending Topics zitierten E-Mail: „Bevor wir damit beginnen, Anzeigen zu personalisieren, bitten wir Sie zunächst auszuwählen, ob Sie relevantere und personalisierte Anzeigen sehen möchten.“
Zum rechtlichen Rahmen, ohne Kausalbehauptung: Als Verantwortliche für die Datenverarbeitung von Nutzern im EWR und in der Schweiz führt die EU-Datenschutzrichtlinie nach der Wiedergabe von Trending Topics die OpenAI Ireland Limited mit Sitz in Dublin. Parallel dazu will die EU-Kommission ChatGPT nach einem Bloomberg-Bericht vom 29. Juli 2026 als sehr große Plattform unter dem Digitale-Dienste-Gesetz einstufen – zu den Pflichten, die vier Monate nach Zustellung greifen, zählt ausdrücklich Transparenz über Werbung und Empfehlungssysteme. Dass OpenAI die Werbung nicht-personalisiert startet und die Personalisierung an eine Einwilligung knüpft, entspricht der Systematik der europäischen Datenschutzregeln; dass es deshalb geschieht, sagt keine unserer Quellen, und wir behaupten es nicht.
⚠️ Zur Beleglage. Sämtliche Primärquellen dieses Fundes liegen bei OpenAI selbst und sind für unser Abrufwerkzeug gesperrt (HTTP 403, wie openai.com durchgängig) – die Ankündigungsseite „Testing ads in ChatGPT“, die EU-Datenschutzrichtlinie in der Vorschau und die Hilfeseite „Ads in ChatGPT“. Das sind keine toten Links: Alle drei werden von den geöffneten Rezeptionen benannt und verlinkt, und der Wortlaut der Hilfeseite ist uns über den Suchindex zugänglich, nicht durch eigenes Öffnen der Seite. Wir führen die URLs deshalb im Beleg und stützen den Inhalt auf drei von uns geöffnete Wiedergaben: Trending Topics (17.08., ausführlichste, zitiert E-Mail und Richtlinie), t3n in der Fassung der OnlineMarketing.de-Redaktion (17.08.) und mobiflip (16.08.). Zu beachten: Alle drei referieren dieselbe Anbieter-Ankündigung und sind damit inhaltlich ein Beleg, keine unabhängige Bestätigung dessen, was tatsächlich ausgespielt wird. Ein zweiter, davon unabhängiger Strang existiert nur für die Länderauswahl – der Digiday-Bericht vom 9. Juli 2026, der aus OpenAI-Stellenausschreibungen in Paris, München und Dublin sowie Singapur auf genau diese Märkte schloss; ein Startdatum nennt er ausdrücklich nicht. Nicht übernommen haben wir das von t3n zitierte Umsatzziel von 100 Milliarden Dollar bis 2030 und die dort verlinkte CNBC-Berichterstattung zum Börsengang: anderer Strang, von uns nicht geprüft.
Nachtrag (19.08.2026): Aus dem Zeitfenster ist ein Termin geworden, und aus der E-Mail eine Ankündigung. OpenAI hat den Schritt am 18. August 2026 unter dem Titel „ChatGPT Ads expands across Europe“ selbst veröffentlicht; die Seite bleibt für unser Abrufwerkzeug gesperrt (HTTP 403), die Angaben stammen aus zwei von uns geöffneten Fachberichten. Digiday schreibt: „OpenAI will begin serving ads to people using ChatGPT across 31 European markets on Monday (August 24)“ – genannt werden unter anderem Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, Polen, Schweden, Norwegen, Dänemark, Irland und die Niederlande. Der Zugang läuft zunächst über Agenturen: „From Monday, advertisers in the new markets can buy ads through Publicis, Omnicom, WPP, Havas, Dentsu and MediaPlus.“ Die Selbstbedienungs-Oberfläche für kleine Unternehmen ist angekündigt, aber undatiert – „The self-serve buying platform for small businesses is coming, OpenAI said, albeit without specifying an exact date.“ Adweek ergänzt am 19. August zwei Größen aus dem Geschäft dahinter: „OpenAI's ad revenue has grown more than 25% since the start of August“ und „ChatGPT now sees one billion weekly active users, with 20% showing commercial intent“. ⚠️ Bei der Nutzerzahl widersprechen sich die beiden Berichte: Digiday schreibt im selben Zeitraum, ChatGPT habe „passed 900 million weekly active users“ – wir übernehmen keine der beiden Zahlen als gesichert. Zur Personalisierung im EWR sagt keiner der beiden Berichte etwas, das unseren Stand vom 17. August ändert: Er bleibt, wie oben belegt, kontextbezogene Auswahl ohne Rückgriff auf frühere Chats.
Aktualisiert am 19. August 2026.