Die Anlage der Auswertung, so weit sie aus den Rezeptionen hervorgeht: Die Washington Post hat die Websites von mehr als 1.200 Kandidatinnen und Kandidaten ausgewertet, die zum Stichtag – in der Wiedergabe des Berichts „as of Monday“ – noch im Rennen um Repräsentantenhaus, Senat oder Gouverneursämter waren. Gezählt wurde, ob dort eine Position zu KI oder Rechenzentren aufgeführt ist. Ergebnis: Das Thema erreicht knapp 40 Prozent der Rennen und ist in 90 Prozent der Bundesstaaten präsent. Politische Analysten, Meinungsforscher und Wahlkampf-Veteranen sagen der Zeitung, sie hätten selten erlebt, dass ein neues Thema so schnell zu einer Kraft in der amerikanischen Politik werde.
Der Vergleich mit etablierten Themen ist der Kern der Meldung – und zugleich die Stelle, an der die Rezeptionen nur eine Rangfolge liefern, keine Werte. Nach der Darstellung bei Gizmodo rangieren KI und Rechenzentren auf Kandidaten-Websites vor Kryptowährungen, Israel, Fertigung sowie „race and racism“; einzig Waffen liegen noch „just a tiny bit higher“. Konkrete Prozentsätze für die Vergleichsthemen nennt keine der von uns geöffneten Wiedergaben.
Wer das Thema besetzt, ist deutlich ungleich verteilt. Demokratische Kandidaturen sprechen KI oder Rechenzentren nach der Wiedergabe von The Decoder mehr als doppelt so häufig an wie republikanische. Gizmodo schlüsselt die Anteile nach Unterthemen auf: Bei allgemeinen KI-Schäden entfallen 90 Prozent der Erwähnungen auf Demokraten und 10 Prozent auf Republikaner, bei Rechenzentren 84 zu 16, beim Einsatz von KI durch Polizei und Militär 77 zu 23, beim Kinderschutz 76 zu 24, bei Arbeitsplätzen 72 zu 28 und beim allgemeinen Nutzen von KI 70 zu 30. Umgekehrt liegt das Feld nur bei einem Punkt: China und nationale Sicherheit, mit 76 Prozent republikanischer Erwähnungen.
Zur Einordnung des Geldes, das an derselben Wahl hängt, aus einem unabhängigen früheren Bericht: Das Fachmagazin Governing bezifferte am 7. Juli 2026 die von der KI-Branche für die Zwischenwahlen auf Bundes- und Staatsebene zugesagten Mittel auf insgesamt 275 Millionen Dollar, davon 44,5 Millionen bereits für die Bundesvorwahlen ausgegeben; allein das Netzwerk „Leading the Future“ plane mindestens 125 Millionen Dollar. Die beiden Befunde stehen nebeneinander, nicht in einer Ursachenkette: Dass die Branche massiv Geld einsetzt, erklärt nicht, warum Kandidaturen das Thema von sich aus aufgreifen – es zeigt nur, dass beide Seiten es für entscheidend halten.
⚠️ Was wir nicht behaupten. Erstens haben wir die Auswertung nicht selbst gelesen: Die Washington Post ist für unser Abrufwerkzeug gesperrt (HTTP 403, kein toter Link); wir stützen uns auf drei von uns geöffnete Rezeptionen – Gizmodo (englisch, mit den Unterthemen-Anteilen), The Decoder (deutsch, mit der Zahl der Websites und dem Parteienverhältnis) und Political Wire (englisch, kurz, bestätigt „nearly 40 percent of races across the country“). Zweitens ist die Methode in keiner dieser Wiedergaben beschrieben: Wie codiert wurde, was als „Position zu KI“ zählt, und ob automatisch oder von Hand ausgewertet wurde, steht dort nicht. Drittens bleibt der Stichtag unaufgelöst – „as of Monday“ wird in keiner Rezeption in ein Datum übersetzt. Viertens messen Kandidaten-Websites Sichtbarkeit, nicht Priorität: Ein Absatz im Programm sagt nichts darüber, wie viel Wahlkampfzeit oder Werbegeld ein Thema tatsächlich bekommt. Und fünftens ist die Zuspitzung „häufiger als Israel oder Rassismus“ eine Rangaussage der Zeitung, die wir ohne die zugehörigen Werte übernehmen – mehr als die Reihenfolge trägt unsere Beleglage nicht.