ChatGPT vor der VLOP-Einstufung: Die EU will das Digitale-Dienste-Gesetz im August auf OpenAI anwenden
Die EU-Kommission will ChatGPT und die Spieleplattform Roblox als „sehr große Online-Plattform“ (VLOP) unter dem Digitale-Dienste-Gesetz (DSA) einstufen – laut einem Bloomberg-Bericht vom 29. Juli 2026 „so früh wie im August“. Beide Dienste liegen über der Schwelle von 45 Millionen monatlich aktiven Nutzern in der EU: Für die Suchfunktion von ChatGPT meldet OpenAI selbst rund 159 Millionen, für Roblox nennt heise rund 48 Millionen. Mit der Einstufung greifen binnen vier Monaten Risikobewertungen, jährliche unabhängige Prüfungen, Transparenzberichte, Datenzugang für die Kommission und eine Aufsichtsgebühr; bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Die Kommission wollte sich nicht äußern, OpenAI und Roblox antworteten Bloomberg nicht.
Die Schwelle und die Zahlen: Das DSA stuft Dienste ab durchschnittlich 45 Millionen monatlich aktiven Nutzern in der EU als VLOP beziehungsweise VLOSE ein; die Betreiber müssen diese Zahl nach Artikel 24 Absatz 2 halbjährlich selbst veröffentlichen. Genau diese Selbstauskunft ist der Auslöser: Für den Sechsmonatszeitraum bis Ende September 2025 nannte OpenAI Ireland rund 120,4 Millionen monatlich aktive Nutzer der ChatGPT-Suche in der EU, die aktuelle Angabe liegt laut heise bei rund 159 Millionen. Roblox kommt auf rund 48 Millionen. OpenAIs eigene DSA-Seite war für unseren Abruf gesperrt (HTTP 403); die Zahlen belegen wir über die unabhängige Rezeption.
Was mit der Einstufung greift: Die Pflichten gelten vier Monate nach Zustellung der Entscheidung. Dazu gehören eine Kontaktstelle für Behörden, verständliche Nutzungsbedingungen, Transparenz über Werbung und Empfehlungssysteme, eine Bewertung systemischer Risiken – ausdrücklich genannt werden illegale Inhalte, Wahlen und Gewalt – samt Minderungsmaßnahmen, jährliche unabhängige Prüfungen, Datenzugang für die Kommission sowie eine jährliche Aufsichtsgebühr. Der Bußgeldrahmen des DSA reicht bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
Wohin die Aufsicht zielt: Nach dem Bloomberg-Bericht dürfte sich die Prüfung bei Roblox vor allem auf den Kinder- und Jugendschutz richten, bei ChatGPT auf das wachsende Werbegeschäft. Beides ist bislang eine Erwartung, kein Verfahrensgegenstand – ein förmliches Verfahren gibt es erst nach der Einstufung, und auch dann erst bei einem konkreten Verdacht.
Einordnung in den Rechtsrahmen: Die DSA-Einstufung liegt quer zur KI-Verordnung, die in Deutschland seit dem 29. Juli 2026 über das KI-MIG durchgeführt wird und deren Aufsicht bei der Bundesnetzagentur liegt. Beide Regime können denselben Dienst treffen, setzen aber an verschiedenen Stellen an: Das DSA reguliert den Dienst als Plattform mit Reichweite, die KI-Verordnung das System nach Risikoklasse. Für Anbieter heißt das im Zweifel zwei Aufsichten, zwei Berichtswege und zwei Bußgeldrahmen.