CORRECTIV-Test: ChatGPT fälscht Nachrichtenbeiträge fast durchgängig, Meta AI nur in einem Fall
Das Recherchezentrum CORRECTIV hat am 3. August 2026 einen Test veröffentlicht, in dem es vier verbreitete KI-Chatbots aufforderte, Social-Media-Grafiken und vermeintliche Beiträge existierender Medien zu fälschen – darunter Tagesschau, Bild, Spiegel, New York Times, BBC und CORRECTIV selbst. Grundlage waren acht Falschbehauptungen, unter anderem der Rücktritt des Bundeskanzlers, ein Regierungsumsturz, eine russische Kriegserklärung sowie Desinformation zu Klimawandel, Impfstoffen und Wahlbetrug. Das Ergebnis fällt je Anbieter deutlich unterschiedlich aus: ChatGPT setzte nach CORRECTIVs Darstellung fast alle Vorgaben um und lieferte die realistischsten Fälschungen, teils erst nach „relativ einfachen Umgehungsversuchen“; Googles Gemini fälschte ebenfalls direkt, blieb aber in der Qualität dahinter; Microsofts Copilot erzeugte Fälschungen, versah sie jedoch durchgängig mit einem „AI-Generated“-Hinweis; Meta AI verweigerte die meisten Anfragen und erstellte nur in einem einzigen Fall eine Fälschung.
Der Aufbau: CORRECTIV forderte ChatGPT, Gemini, Copilot und Meta AI auf, „Social-Media-Grafiken beziehungsweise vermeintliche Beiträge existierender Medien zu erzeugen“. Schwerpunkt der Fälschungen war die Tagesschau; getestet wurden daneben Bild, Spiegel, New York Times, BBC und CORRECTIV selbst. Die acht Falschbehauptungen reichten von politischen Ereignissen – Rücktritt des Bundeskanzlers, Regierungsumsturz, russische Kriegserklärung – bis zu klassischer Desinformation über Klimawandel, Impfstoffe und Wahlbetrug.
Die Ergebnisse je Anbieter: ChatGPT setzte den Großteil der gewünschten Fälschungen ohne Weiteres um; die Resultate waren nach CORRECTIVs Beschreibung vom Original oft kaum zu unterscheiden, in einem Fall bis hin zu einem nachgestellten macOS-Desktop mit geöffnetem Browserfenster, was den Eindruck eines echten Bildschirmfotos verstärkte. Auffällig ist ein widersprüchliches Verhalten: Der Bot lehnte einzelne Anfragen ab und erzeugte parallel dazu Fälschungen. Gemini fälschte Beiträge renommierter Medien direkt, blieb aber in der Qualität hinter ChatGPT zurück und zeigte typische Fehler bei der Textdarstellung in Bildern. Copilot erzeugte ebenfalls Fälschungen, die jedoch merklich vom Original abwichen, und kennzeichnete sie konsistent mit einem „AI-Generated“-Hinweis. Meta AI erwies sich als der restriktivste Dienst und verweigerte die konkreten Falschbehauptungen in den meisten Fällen.
Die Reaktionen der Anbieter, wie CORRECTIV sie wiedergibt: OpenAI stellte Verbesserungen der Schutzmaßnahmen in Aussicht; Google verwies auf seine Richtlinien und räumte ein, das System habe Grenzen; Meta berief sich auf Regeln gegen Urheberrechtsverletzungen; Microsoft antwortete bis zur Veröffentlichung nicht. C2PA-Wasserzeichen oder vergleichbare Herkunftsnachweise in den erzeugten Dateien dokumentiert der Test nicht – die einzige Kennzeichnung war das sichtbare Copilot-Label. Für die eigene Dokumentation versah CORRECTIV die gezeigten Fälschungen nachträglich mit einem KI-Hinweis.