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US-Nationalarchiv entfernt Qwen-Suche aus dem Amtsblatt-Portal

Auf federalregister.gov, dem Portal des US-Nationalarchivs für neue Verordnungsentwürfe, ließen sich öffentliche Kommentare zeitweise mit einem Qwen-Modell von Alibaba durchsuchen. Nach Hinweisen in sozialen Netzen verschwand die Option am 16. September 2026 – wenige Tage, nachdem das FBI Alibaba Distillation im industriellen Maßstab vorgeworfen hatte.

Wann das Nationalarchiv die Qwen-Suche eingeführt hat, ist nicht bekannt; sie stand als eine von mehreren Suchoptionen bereit. Ein Screenshot eines X-Nutzers zeigt sie am 15. September 2026, ein archivierter Stand des Seitenquelltexts belegt nach Reuters-Angaben die Abschaltung am 16. September. Damit lief sie mindestens einen Tag.

Reuters hat den Vorgang zuerst berichtet. Nationalarchiv, Weißes Haus und FBI äußerten sich weder gegenüber Reuters noch gegenüber Ars Technica. Daniel Castro, Präsident der Denkfabrik Information Technology and Innovation Foundation, nannte es gegenüber Reuters eine der wahnwitzigsten Sachen, die er je gesehen habe: Eine US-Behörde setze ein Alibaba-Modell ein, während das FBI zu amerikanischen Modellen rate.

Ein konkretes Sicherheitsrisiko sieht Anupam Chander, Rechtsprofessor an der Georgetown University, nicht: Die Inhalte des Portals seien ohnehin öffentlich, das Modell arbeite also nicht mit sensiblen Regierungsdaten. Nach einem Bericht der chinesischen Nachrichtenseite Sina.com war ein kleines offenes Modell auf dem Niveau von Qwen3 0.6B im Einsatz, das Dokumente lediglich heraussucht und keine Daten an Alibaba weiterreicht.

Bei Distillation wird ein fremdes Modell massenhaft abgefragt, um aus dessen Antworten ein eigenes zu trainieren. Der FBI-Vorwurf vom Anfang des Monats richtet sich neben Alibaba gegen fünf weitere chinesische Unternehmen; China weist ihn zurück. Anthropic hatte im Juni 2026 einen solchen Angriff mit 28,8 Millionen Claude-Anfragen Alibaba zugeschrieben – auch dort ohne unabhängige Bestätigung.