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Erstmals kartiert: 81 geplante Rechenzentren würden Deutschlands Rechenleistung um 5.000 Megawatt aufstocken – heute liegt die Anschlussleistung bei rund 3.000

Ein Bündnis aus AlgorithmWatch, FragDenStaat (Open Knowledge Foundation Deutschland), der Stichting Leitmotiv und dem Heiße-Luft-Kollektiv hat am 28. August 2026 unter heisseluft.org die erste öffentliche Karte der in Deutschland geplanten und angekündigten Rechenzentren veröffentlicht. Sie führt „mehr als 100 Rechenzentrumsprojekte“; 81 davon bewertet das Bündnis als seriös und aktuell in Planung oder Bau. Würden allein diese realisiert, stiege die verfügbare Rechenleistung um 5.000 MW, und der Stromverbrauch der deutschen Rechenzentren würde sich mit „zusätzlich mindestens 18 Terawattstunden (TWh)“ nahezu verdoppeln. Zum Maßstab: Ende 2025 wurde die gesamte Anschlussleistung aller deutschen Rechenzentren auf etwa 3 GW geschätzt. Die von der Bundesregierung angestrebte Verdopplung beziffert das Bündnis auf „mehr als 2.000 MW“ – die kartierten Projekte übertreffen dieses Ziel damit um mehr als das Doppelte.

Aussagen gegen die Quellen geprüft · 28. August 2026

Träger der Karte sind laut heisseluft.org die „AlgorithmWatch gGmbH, Stichting Leitmotiv, Heiße-Luft-Kollektiv und Open Knowledge Foundation Deutschland e. V. (FragDenStaat)“. heise beschreibt die dahinterliegende Recherche als breiter aufgestellt: „Nach Auswertungen von NDR, SZ, Heiße Luft, Algorithmwatch, FragDenStaat und Leitmotiv bauen nicht nur EU-Firmen fleißig in Deutschland aus.“ Die Methodik verweist die Seite auf eine eigene Unterseite (/info#methodik).

Die zentrale Hochrechnung steht bei AlgorithmWatch im Wortlaut: „Werden die als seriös bewerteten 81 Projekte, die sich aktuell in Planung oder Bau befinden, vollständig realisiert, wird sich die verfügbare Rechenleistung in Deutschland um 5.000 Megawatt (MW) steigern.“ Und weiter: „Damit würden bereits diese Projekte die von der Bundesregierung angestrebte Verdopplung der Rechenleistung um mehr als 2.000 MW übertreffen.“

Den Maßstab dafür liefert heise: „Ende 2025 wurde die gesamte Anschlussleistung aller deutschen Rechenzentren auf etwa 3 Gigawatt (GW) geschätzt, wovon rund ein Drittel in und um Frankfurt am Main konzentriert sind.“ Der Bestand ist dabei überwiegend kleinteilig – „Rund 27 Prozent aller bestehenden Rechenzentren haben weniger als 100 Kilowatt (0,1 Megawatt, MW) Anschlussleistung“ –, während der Branchenverband Bitkom die Gesamtzahl deutscher Rechenzentren „auf rund 50.000“ schätzt. Beim Neubau sind es nicht die europäischen Anbieter, die den Ton angeben: „US-Konzerne wie Amazon (AWS), Microsoft (Azure) und Google (Google Cloud) errichten rund ein Drittel der neuen Rechenzentren.“

Wer über diese Ansiedlungen entscheidet, ist dafür oft nicht ausgestattet. heise: „Deren Vertreter, also Bürgermeisterinnen, Bürgermeister und Gemeinderäte, arbeiten oft nebenberuflich oder gar ehrenamtlich. Ihnen fehlt Zeit und Fachwissen, um komplizierte Fragestellungen bei dermaßen großen Ansiedelungen gut einschätzen zu können.“ netzpolitik.org führt dazu zwei europäische Beispiele an, wie weit Arbeitsplatzversprechen und Realität auseinanderliegen können: im rumänischen Mischii entstanden „10 der zugesagten 21 Stellen“, im niederländischen Hollands Kroon „nur rund 530 statt der angekündigten 2.000 Stellen“.

⚠️ Einordnung der Beleglage: Die Zahlen 81, 5.000 MW und 18 TWh stammen ausschließlich von AlgorithmWatch als Mitherausgeberin des Datensatzes; wir haben sie in zwei getrennten Abrufen wortgleich gelesen, aber sie sind nicht unabhängig nachgerechnet. Weder heise noch netzpolitik.org führen sie. Die Bewertung, welche der über 100 Projekte „seriös“ sind, ist eine Einschätzung des Bündnisses. Die Karte selbst nennt auf ihrer Startseite keine aggregierten Kennzahlen.