Die Ziele stehen wörtlich in der Strategie, die wir selbst geöffnet haben: Die Bundesregierung will „die Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland bis 2030 mindestens zu verdoppeln“ und „die Rechenkapazitäten für High-Performance-Computing (HPC) und Künstliche Intelligenz (KI) mindestens zu vervierfachen“. Veröffentlicht wurde das Dokument am 18. März 2026.
Die Antworten der Ressorts hat netzpolitik.org eingeholt. Das Digitalministerium teilt mit: „Zum Wasserbrauch durch Rechenzentren in Deutschland liegen nur begrenzt Zahlen vor“ – zu den Auswirkungen des geplanten Ausbaus kann es keine Angaben machen, und auch den Verbrauch der Rechenzentren des Bundes erfasst es nicht zentral. Das ITZBund, das Rechenzentren für die Bundesverwaltung betreibt, verweigert Angaben zum eigenen Wasserverbrauch mit einer Sicherheitsbegründung: „Der unbefugte Zugriff auf oder die Veröffentlichung sensibler Daten, wie etwa Rechenzentrumsadressen, kann schwerwiegende Folgen nach sich ziehen.“ Das Umweltministerium weist darauf hin, dass die erfassten Daten nur einen Teil des tatsächlichen Verbrauchs abbilden, weil Lebenszyklusanalysen fehlen; das Wirtschaftsministerium kündigt an, Verstöße gegen die Meldepflicht mit Bußgeldverfahren zu verfolgen – bis zu 50.000 Euro.
Das Meldewesen selbst haben wir am Gesetzestext nachgesehen. § 13 EnEfG verpflichtet Betreiber, „bis zum Ablauf des 31. März eines jeden Jahres Informationen über ihr Rechenzentrum nach Maßgabe der Anlage 3 für das vorangegangene Kalenderjahr zu veröffentlichen und an den Bund zu übermitteln“; § 19 stellt Verstöße gegen die Pflichten als Ordnungswidrigkeit unter Bußgeld, zuständige Verwaltungsbehörde ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Die von netzpolitik.org genannte Schwelle von 300 Kilowatt IT-Anschlussleistung steht nicht in den beiden Paragrafen, die wir geöffnet haben – wir führen sie deshalb als Angabe der Recherche, nicht als von uns geprüfte Gesetzesangabe. Der Stand der Meldungen laut Wirtschaftsministerium: 482 Eingänge für das Berichtsjahr 2025 bis zum 6. Juli 2026, bei geschätzt rund 1.000 meldepflichtigen Rechenzentren.
Die vorhandenen Effizienzzahlen ergeben ein widersprüchliches Bild, und der Widerspruch ist der eigentliche Befund. Nach den EU-Daten liegt der deutsche Wert für die Wassernutzungseffektivität (Water Usage Effectiveness, WUE) 2024 bei 0,49 Litern je Kilowattstunde und damit über dem EU-Schnitt von 0,4 – je niedriger, desto sparsamer. Ein Gutachten für das Wirtschaftsministerium von 2025 kommt dagegen zu dem Ergebnis, dass 65 Prozent der bis dahin gemeldeten Rechenzentren einen hohen Effizienzwert bei der Wassernutzung aufwiesen, nämlich unter 0,1 Litern je Kilowattstunde. Beides zusammen passt nur, wenn wenige sehr durstige Anlagen den Durchschnitt tragen – oder wenn die Meldelage die Wirklichkeit nicht abbildet. Genau das ist bei 482 von rund 1.000 Meldungen nicht auszuschließen.
⚠️ Zur Beleglage: Die Ministeriumsantworten sind eigene Recherche von netzpolitik.org (Ingo Dachwitz, 10. August 2026); wir kennen sie nur über diesen Bericht und haben die Ressorts nicht selbst angefragt. Selbst geöffnet und geprüft haben wir die Nationale Rechenzentrumsstrategie sowie § 13 und § 19 EnEfG. Das EU-Dashboard mit den WUE-Werten und das BMWK-Gutachten haben wir nicht selbst ausgewertet – die Zahlen 0,49 / 0,4 / 65 Prozent stehen hier als Wiedergabe der Recherche.