Eine Linux-Distribution stellt den Coding-Agenten unter „Einstellungen“ – und acht Milliardäre legen acht Millionen Dollar dazu
Omarchy 4.0 „Quattro“, die Arch-basierte Distribution von David Heinemeier Hansson, ist am 14. August 2026 erschienen. In den Release-Notes steht ein Punkt, den man von einem Betriebssystem bisher nicht kannte: „Add a configurable default coding agent: pick Claude Code, Codex, OpenCode, Pi, Oh My Pi, Gemini, Grok, Copilot, or Crush under `Setup > Defaults > Agent`, then launch it with `SUPER + SHIFT + CTRL + A`“ – neun fremde Coding-Agenten als Systemvoreinstellung, dazu ein Leisten-Widget, das den Token-Verbrauch von Claude Code, Codex und Fireworks „from all the major harnesses“ mitzählt. Eine Woche später, am 21. August, gründete Hansson die gemeinnützige Omacom Foundation mit 8 Mio. $ – acht Geldgeber zu je einer Million: Tobi Lütke, Patrick Collison, Michael Dell, Jack Dorsey, Matthew Prince, Brendan Iribe, Jason Fried und Hansson selbst.
Die belastbaren Angaben stehen in den Release-Notes zu Version 4.0.0, die wir geöffnet und mit einer Kontrollfrage gegengelesen haben. Datum: 14. August 2026. Die gesamte Desktop-Schale wurde in Quickshell neu gebaut – „the bar, launcher, menus, notifications, on-screen displays, control panels, lock screen, and polkit agent now all live inside a single long-running shell process with a plugin architecture“; damit entfallen Waybar, Walker, Mako, SwayOSD, hyprlock, hypridle, swaybg und polkit-gnome. Die ISO-Datei schrumpft „by over a gigabyte (now under 6GB!)“, die Installation wird „by +30 % (sub-minute installs now possible!)“ schneller. Drittanbieter-Widgets lassen sich mit `omarchy plugin add <git-url>` direkt aus einem Git-Repository nachrüsten.
Der für uns entscheidende Punkt ist die Agenten-Auswahl. Sie steht als eigener Eintrag unter `Setup > Defaults > Agent` und listet neun Namen: Claude Code, Codex, OpenCode, Pi, Oh My Pi, Gemini, Grok, Copilot und Crush; gestartet wird der gewählte Agent mit `SUPER + SHIFT + CTRL + A`. Daneben führen die Release-Notes ein „model-usage bar widget showing Claude Code/Codex/Fireworks usage stats and count from all the major harnesses“. Wer wissen will, wie tief die Umstellung geht: Die Release-Notes listen nach unserer Zählung deutlich über hundert Einzeländerungen.
Die Stiftung ist die zweite Hälfte der Woche. Am 21. August 2026 kündigte Hansson auf der Projektseite die Omacom Foundation an: eine gemeinnützige Stiftung, die „hold the trademarks, fund the infrastructure, promote“ die Arbeit und „support the open-source projects and developers Omarchy depends on“ soll. Acht Personen geben je eine Million Dollar – Tobi Lütke (Shopify), Patrick Collison (Stripe), Michael Dell (Dell), Jack Dorsey (Block), Matthew Prince (Cloudflare), Brendan Iribe (Oculus-Mitgründer), Jason Fried (37signals) und Hansson. Am selben Tag wurde die Stiftung exklusiver Sponsor von Hyprland, dem Compositor unter Omarchy: „Our exclusive sponsorship deal is set for three years, with an option for another two.“ Der Entwickler Vaxry soll sich damit „focus fully on developing it further without any need to think about commercial development or fundraising“. Linuxiac ergänzt unabhängig, dass Hyprlands kostenpflichtiges Hyprperks-Programm eingestellt wird und seine Funktionen frei verfügbar werden. Der Plugin-Marktplatz war zwei Tage zuvor laut Projektseite „already home to over 500 plugins and growing very fast“; ein Wettbewerb mit 2.500, 1.000 und 500 $ Preisgeld lief bis zum 24. August.
Gefunden haben wir die Meldung über ein Gespräch, das Hansson am 23. August in ThePrimeagens Format „TheStandup“ geführt hat – und das ist zugleich die Stelle, an der wir Tier C von Tier A trennen müssen. Dort sagt Hansson, Quattro sei „virtually fully AI developed“; er habe rund drei Monate zusammen mit Ryan Hughes „prompting our way to this incredible distribution“ verbracht. ⚠️ Die Release-Notes erwähnen auf gezielte Nachfrage weder KI-Entwicklung noch Prompting – `ryanrhughes` taucht dort nur als Beitragender auf. Wir führen den Satz deshalb als Selbstaussage, nicht als Fakt. Dasselbe gilt für die Zahlen aus dem Gespräch: 5.000 ISO-Downloads pro Tag, rund 40.000 Menschen im Discord, ein geplantes „agent-powered security vetting“ für Plugins und ein noch unangekündigtes Abkommen über „endless tokens for Omarchy“ – nichts davon ist belegt.
Ein Detail aus demselben Gespräch taugt als Lehrstück fürs Zitieren von Livestreams: Hansson sagt dort, man habe „shrunk the ISO by 30 %“ und „increased the install time by like 40 %“. Die Release-Notes sagen das Gegenteil-in-Teilen – die ISO schrumpft um über ein Gigabyte, und die 30 % gehören zur Installationsgeschwindigkeit. Beide Aussagen stammen vom selben Menschen im Abstand von neun Tagen; die geschriebene gewinnt. Substanziell ist dagegen Hanssons These, warum ausgerechnet jetzt: „when it comes to agents working on your desktop and turning it into your personal favorite computer, Apple’s nowhere.“ Sein Argument ist nicht Geschmack, sondern Zugriff – Konfiguration liege bei macOS und vielen Programmen hinter Menüs statt in Dateien, Tastenkürzel seien nicht programmatisch setzbar, und was ein Agent nicht als Text lesen und schreiben kann, kann er nicht ändern. Ob man Hanssons Schluss teilt oder nicht: Agenten-Tauglichkeit als Auswahlkriterium fürs Betriebssystem ist eine Achse, die es vor zwei Jahren nicht gab.
Nachtrag vom 27. August 2026: Die Stiftung ist inzwischen bei zehn Millionen Dollar. Am 24. August 2026 meldete das Projekt „Omacom Foundation funding hits $10m“ – wörtlich: „Drew Houston and Peter Steinberger join the Omacom Foundation as Founding Patrons, taking total funding to $10 million.“ Damit kommen zu den acht Geldgebern vom 21. August der Dropbox-Mitgründer Drew Houston und der OpenClaw-Entwickler Peter Steinberger hinzu, jeweils mit einer Million Dollar; als Zweck nennt die Meldung Infrastruktur, quelloffene Projekte und Entwickler, die den Linux-Desktop für die nächste Generation von Nutzern tragfähig machen sollen. Die Überschrift unserer Depesche („acht Millionen“) beschreibt damit den Stand vom 21. August, nicht den aktuellen. Der Sweep vom 27. August förderte die Aufstockung über eine deutschsprachige Rezeption zutage, die daneben den Umbau in Version 4.0 referiert – Belegstand bleibt aber die Projektmeldung selbst.