191 Megawatt auf 20 Jahre: Ein Bitcoin-Miner vermietet an ein Frontier-Labor, das er nicht nennt – Bloomberg nennt Anthropic
Riot Platforms hat am 10. August 2026 einen Rechenzentrums-Mietvertrag über 191 Megawatt IT-Leistung am eigenen Standort Rockdale in Texas gemeldet. Die Laufzeit beträgt 20 Jahre bis Juni 2048, der erwartete Umsatz rund 9,1 Milliarden US-Dollar; zwei Fünfjahres-Optionen könnten den Gesamtwert auf etwa 16,1 Milliarden Dollar heben. Die ersten 96 Megawatt sollen im Dezember 2027 übergeben werden, die volle Kapazität bis Juni 2028. Riot errichtet den Bau nach Vorgaben des Mieters und liefert Gebäude, Netzanschluss, Kühlung und Betrieb – Server und Beschleuniger bringt der Mieter selbst mit. In der eigenen Mitteilung nennt Riot den Vertragspartner nicht, sondern nur „one of the world’s leading frontier AI labs“; erst Bloomberg identifizierte unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen Anthropic. Bestätigt hat das keine der beiden Seiten. Zusammen mit dem AMD-Vertrag vom Januar 2026 hat Riot damit 241 Megawatt und rund 9,8 Milliarden Dollar langfristig unter Vertrag.
✓ Aussagen gegen die Quellen geprüft · 11. August 2026
Die Vertragsdaten stammen aus Riots eigener Mitteilung vom 10.08.2026: ein „191 MW critical IT build-to-suit Tier 3 data center“, Laufzeit „20 years, running through June 2048“, erwarteter Umsatz „$9.1 billion in total initial contract revenue“, dazu „two five-year extension options“ mit einem Gesamtwert von „approximately $16.1 billion if both extensions are fully exercised“. Die Übergabe erfolgt in zwei Stufen – 96 Megawatt im Dezember 2027, die volle Kapazität bis Juni 2028.
Die Rollen sind klar getrennt: Riot baut nach den Vorgaben des Mieters und stellt Gebäude, Stromanschluss, Kühlung und Betrieb; Server und KI-Beschleuniger bringt der Mieter selbst ein. Zusammen mit der AMD-Vereinbarung vom Januar 2026 über 50 Megawatt kommt Riot damit auf „241 megawatts of capacity, representing approximately $9.8 billion of long-term, contracted revenue“ – zwei Verträge, binnen eines halben Jahres geschlossen, von einem Unternehmen, dessen Geschäftszweck bis vor Kurzem das Schürfen von Bitcoin war.
Offen bleibt in der Primärquelle genau eine Angabe: wer mietet. Riot bezeichnet den Vertragspartner ausschließlich als „one of the world’s leading frontier AI labs“ und nennt ihn auch in der Pflichtmitteilung nicht beim Namen. Anthropic als Mieter benannt hat Bloomberg unter Berufung auf mit der Transaktion vertraute Personen; weder Riot noch Anthropic haben das öffentlich bestätigt. Die Börse reagierte auf den Bericht deutlich – die Riot-Aktie stieg nachbörslich um rund ein Viertel.
Für Anthropic wäre das, die Zuordnung unterstellt, ein weiterer Baustein in einer bewusst breit gestreuten Rechenbasis: Zu Google (TPU-Kapazität über eine eigens gebaute Finanzierungsstruktur), Microsoft Azure und AMD (5 Milliarden Dollar für MI450-Systeme mit 2 Gigawatt Zielkapazität) käme nun erstmals eine direkt angemietete Fläche, in die das Unternehmen eigene Hardware stellt. Für die Branche insgesamt ist es ein weiteres Beispiel dafür, dass die Verträge, die den KI-Ausbau tragen, inzwischen über zwei Jahrzehnte laufen – deutlich länger als jede Modellgeneration, die darin gerechnet werden soll.
⚠️ Zur Beleglage: Selbst geöffnet und damit belegt haben wir Riots eigene Mitteilung mit sämtlichen Vertragszahlen sowie eine unabhängige Wiedergabe (crypto.news), die den Vorgang bestätigt und die Herkunft des Namens sauber trennt. Der Bloomberg-Bericht, auf dem die Zuordnung zu Anthropic beruht, liegt uns nicht im Original vor – wir geben ihn nur in der Wiedergabe zweier Quellen wieder und kennzeichnen den Mieter entsprechend als nicht bestätigt. Die Fachdienste Datacenter Dynamics und Blockspace berichten ebenfalls, weisen unseren Abruf jedoch mit HTTP 403 ab; dort haben wir nicht gelesen.