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Anthropics TPUs stehen nicht in Googles Bilanz: das Finanzierungsgeflecht hinter dem Chip-Deal

Eine Recherche der Financial Times vom 4. August 2026 zeichnet nach, wie Google die Lieferung von KI-Beschleunigern an Anthropic finanziert, ohne die Hardware selbst zu bilanzieren: Eine von Morgan Stanley strukturierte Zweckgesellschaft („Compute SPV“) kauft Google-TPUs und vermietet sie an Anthropic, Apollo und Blackstone stellen das Fremdkapital, Broadcom sichert die vorrangigen Schuldtranchen mit einer Ausfallgarantie ab. Der Abschluss vom Juni umfasst rund 35 Milliarden Dollar Hardware – nach den uns zugänglichen Wiedergaben etwa eine Million TPUs beziehungsweise ein Gigawatt. Insgesamt hängen laut FT rund 200 Milliarden Dollar an Verträgen daran, dass Anthropic die Mieten bedienen kann.

Die Konstruktion: Nach übereinstimmender Wiedergabe der FT-Recherche durch The Decoder und Capacity strukturierte Morgan Stanley eine Zweckgesellschaft, das „Compute SPV“, die Googles TPUs kauft und sie an Anthropic vermietet – ein Modell, das Capacity ausdrücklich mit den Leasing-Konstruktionen vergleicht, mit denen Boeing und GE Flugzeuge und Triebwerke vermarkten. Das Fremdkapital stellen Apollo und Blackstone über mehrere Schuldtranchen. Den Kern bildet Broadcoms Zusage: Zahlt Anthropic die Miete nicht und reicht der Verkaufserlös der Chips nicht aus, um die vorrangigen Gläubiger zu bedienen, gleicht Broadcom die Lücke aus. Beteiligt sind daneben Krypto-Mining-Betreiber, die Flächen und Anschlüsse einbringen; The Decoder nennt als Beispiel ein 360-Megawatt-Rechenzentrum von TeraWulf, finanziert über eine Bauanleihe von 3,2 Milliarden Dollar, und beziffert Googles Absicherungen insgesamt auf zehn Projekte mit 2,4 Gigawatt.

Die Zahlen – und wo sie auseinandergehen: Für den Juni-Abschluss nennen beide Wiedergaben rund 35 Milliarden Dollar Hardware; The Decoder ordnet das etwa einer Million TPUs und einem Gigawatt zu, Capacity spricht von bis zu einer Million TPUs. Beim Umfang der Broadcom-Garantie weichen sie ab: The Decoder nennt rund 30 der 35 Milliarden Dollar, Capacity rund 31 Milliarden – die Abweichung führen wir hier mit, statt sie zu glätten. Zur Finanzierungskosten-Wirkung liegen zwei verschiedene Kennzahlen vor: Capacity beziffert die Verzinsung der ersten Tranche auf etwa 5,75 Prozent; The Decoder zitiert eine Jefferies-Rechnung, wonach TPU-Betreiber mit Google-Rückendeckung zu 7,1 Prozent finanzieren, das Nvidia-Umfeld dagegen zu 9,3 Prozent. Nur bei The Decoder finden sich zudem Broadcoms Kaufverpflichtungen bis 2028 in Höhe von 128 Milliarden Dollar sowie die Angabe, Googles Gesamtrisiko liege bei rund 44 Milliarden Dollar, während in der Bilanz lediglich 815 Millionen ausgewiesen seien; nur bei Capacity steht die Einschätzung, Broadcom könne bis 2028 mehr als 20 Gigawatt auf diesem Weg finanzieren, und der Verweis auf einen berichteten Backstop zwischen OpenAI und Nvidia über 250 Milliarden Dollar.

Beleglage und offene Punkte: Die Recherche stammt von der Financial Times (Ryan McMorrow) und erschien am 4. August 2026; ft.com ist für unseren automatisierten Abruf generell gesperrt, die deutsche Syndikation bei Golem liegt hinter einer Zustimmungs- und Bezahlschranke – wir haben sie geöffnet und den Volltext nicht einsehen können. Belegt sind Struktur und Zahlen daher über zwei unabhängige Wiedergaben, die wir je geöffnet haben. Was daraus nicht folgt: Weder ist eine Zahlungsstörung eingetreten, noch ist die Konstruktion unzulässig – Zweckgesellschaften und Restwertgarantien sind im Anlagen-Leasing üblich. Der Befund ist ein anderer: Ein wachsender Teil der KI-Infrastruktur wird über Garantien und Zweckgesellschaften finanziert, deren Risiko sich aus den veröffentlichten Abschlüssen der beteiligten Konzerne nicht mehr ablesen lässt. Wie belastbar die Einzelzahlen sind, wird sich erst zeigen, wenn Google, Broadcom oder Anthropic sie selbst ausweisen oder bestätigen.