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SharedRoot: Forscher bricht aus der lokalen Sandbox von Claude Cowork aus – Anthropic stuft den Bericht als „informativ“ ein

Oren Yomtov, Principal Security Researcher bei Accomplish, hat am 23. Juli 2026 unter dem Namen „SharedRoot“ eine Ausbruchskette aus der lokalen virtuellen Maschine von Claude Cowork auf dem Mac veröffentlicht. Der Agent läuft dort als unprivilegierter Nutzer, kann sich aber über einen eigenen User-Namespace Root-Rechte im Gast verschaffen, darüber eine bekannte Kernel-Lücke (CVE-2026-46331) auslösen und am Ende auf das gesamte, schreibend eingehängte Host-Dateisystem zugreifen – inklusive SSH-Schlüsseln und Cloud-Zugangsdaten. Anthropic schloss den Bericht als „Informative“; Cowork führt Sitzungen inzwischen standardmäßig in der Cloud aus, wo der Weg laut Bericht nicht greift.

Aussagen gegen die Quellen geprüft · 28. Juli 2026

Die Kette in sechs Schritten, wie sie der Bericht beschreibt: Der Agent läuft als unprivilegierter Sitzungsnutzer. Er legt einen User-Namespace an, in dem er selbst Root ist und über CAP_NET_ADMIN verfügt. Damit konfiguriert er eine Traffic-Control-Aktion, was das verwundbare Kernel-Modul „act_pedit“ automatisch nachlädt. Über den Speicherfehler in diesem Modul – öffentlich als CVE-2026-46331 („pedit COW“) seit Juni 2026 im Ubuntu-Kernel bekannt – vergiftet er den Page-Cache einer root-eigenen Hilfsdatei. Der Dienst „coworkd“ führt die manipulierte Datei erneut aus, womit der Angreifer Gast-Root erlangt. Von dort liegt das Host-Dateisystem offen, das unter „/mnt/.virtiofs-root“ schreibend eingehängt ist: SSH-Schlüssel und Cloud-Zugangsdaten sind lesbar, in sonst gesperrte Verzeichnisse lässt sich schreiben.

Anthropics Reaktion fällt knapp aus: Der Bericht wurde als „Informative“ geschlossen, weil „the CVE fell inside their program’s window for bugs published in the last 30 days“ – also ein Programm-Kriterium, keine inhaltliche Bewertung der Ausbruchskette. Entschärft ist der Weg dennoch, allerdings durch eine Produktentscheidung: Laut Bericht nutzt Cowork inzwischen standardmäßig die Cloud-Ausführung, und „this local escape path does not appear to apply there“. Wer weiterhin lokal arbeitet, ist auf Härtung angewiesen. Der Forscher nennt vier Ansatzpunkte auf Entwurfsebene: unprivilegierte User-Namespaces abschalten (etwa per „apparmor_restrict_unprivileged_userns=1“), einen restriktiven Seccomp-Filter setzen, der „unshare“, „setns“ und „clone3“ sowie AF_NETLINK blockiert, das automatische Nachladen unnötiger Kernel-Module unterbinden und – der eigentliche Kern – die Host-Freigabe auf die tatsächlich benötigten Ordner begrenzen statt das ganze Dateisystem einzuhängen.

Einordnung und Grenzen: Für SharedRoot selbst existiert keine eigene CVE-Nummer; identifiziert ist nur die zugrunde liegende Kernel-Lücke. Eine Zahl betroffener Nutzer nennt der Primärbericht nicht – wir führen deshalb keine. Die Schwachstellenklasse ist dieselbe, die schon bei GhostApproval sichtbar wurde: Nicht das Modell wird angegriffen, sondern die Ausführungsumgebung, die ihm Handlungsspielraum gibt. Und wie dort entscheidet am Ende der Hersteller, ob er eine Kette aus bekannten Bausteinen als Produktfehler betrachtet.