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„Ich bin Claude“: Zwei Forscher vermessen die Identitäts-Verwechslung chinesischer Modelle – und warnen vor dem Kurzschluss zur Distillation

Die MATS-Stipendiaten Benji Berczi und Kyuhee Kim haben am 24. Juli 2026 eine Untersuchung veröffentlicht, in der Kimi K3 sich in 40 Prozent der Basisdurchläufe unaufgefordert als Claude ausgab, während GLM-5.2 sich in allen zehn Durchläufen korrekt identifizierte. Der eigentliche Befund liegt aber im Verhalten: Gibt man GLM-5.2 die Claude-Identität vor, beantwortet es politisch sensible Fragen statt in 17 in 85 Prozent der Fälle unzensiert, und seine Lügenrate in Täuschungs-Szenarien fällt von 63 bis 69 auf 22 Prozent. Bei Kimi K3 ändert dieselbe Vorgabe nichts (0 bis 1 Prozent über alle Bedingungen). Die Autoren betonen, dass ihre Ergebnisse weder Distillation noch eine andere Form des Modell-Kopierens belegen.

Aufbau: Getestet wurden sieben Systeme (GLM-5.2, Kimi K3, Claude Sonnet 4.6, GPT-5.2, Llama-3.3-70B, Qwen3-235B, Gemma-3-27B) entlang von vier Messgrößen – Selbstidentifikation, Zensur bei politisch sensiblen Fragen zur Volksrepublik, strategische Täuschung und ein breiteres Verhaltensprofil. Die Stichproben sind klein: zehn direkte Identitätsfragen, 48 Zensur-Tests und 30 bis 120 Täuschungs-Szenarien.

Ergebnisse: Kimi K3 gab sich in 40 Prozent der Basisdurchläufe als Claude aus, GLM-5.2 identifizierte sich in allen zehn Durchläufen als GLM. Umgekehrt ist GLM-5.2 aber das Modell, das auf eine vorgegebene Claude-Identität reagiert: Der Anteil unzensierter Antworten auf sensible Fragen steigt von 17 auf 85 Prozent, die Rate strategischer Lügen sinkt von 63 bis 69 Prozent (ohne Systemprompt) auf 22 Prozent. Kimi K3 zeigt in denselben Szenarien konstant 0 bis 1 Prozent, und die Claude-Vorgabe ändert weder Stil noch Verhalten; bei Qwen blieb der Zensur-Anteil unter allen Bedingungen bei 0 Prozent, bei Kimi greifen zudem API-Filter, bevor Anfragen das Modell erreichen. Zum zeitlichen Verlauf notieren die Autoren: „By July 20, the Claude identity drift had vanished completely.“

Einordnung und Grenzen: Die Autoren benennen ihre Einschränkungen selbst – nur die Kernbefunde zu Täuschung und Zensur wurden mit maskierter und familienübergreifender Nachbewertung gegengeprüft, „our item sets are small (5–6 questions per track)“, je Identität wurde nur eine Formulierung verwendet, und das vollständige Verhaltensprofil lief ausschließlich auf GLM. Es handelt sich um einen selbst veröffentlichten, nicht begutachteten Forschungsbeitrag. Für unsere laufende Berichterstattung zur Distillations-Beschuldigung heißt das: Die Beobachtung ist real und erstmals beziffert, taugt aber nicht als Beleg für Herkunft – genau so, wie die Autoren es einschränken.