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Googles ATLAS-Bericht: KI erreicht 68 Prozent der Berufe – aber nur rund 21 Prozent der Aufgaben darin

Google hat am 23. Juli 2026 die erste Ausgabe des „AI & Economy ATLAS“ veröffentlicht – nach eigener Auflösung „Activity, Task, Landscape, and Adoption Study“. Grundlage sind rund 15 Millionen aggregierte und anonymisierte Mensch-KI-Interaktionen aus der Gemini-App, dem AI Mode der Suche und der Gemini-API, zugeordnet zu mehr als 800 Berufen und 4.000 Aufgaben in über 150 Ländern und 140 Sprachen. Der Kernbefund ist ein Widerspruch zur Automatisierungserzählung: KI-Nutzung findet sich in 68 Prozent aller Berufe, die zusammen rund 90 Prozent der US-Beschäftigung ausmachen – doch „in a typical job AI is used for only ~21% of tasks“. Weniger als 10 Prozent der arbeitsbezogenen Interaktionen automatisieren eine Aufgabe vollständig, und über 86 Prozent aller Interaktionen finden überhaupt außerhalb der Arbeit statt.

Aussagen gegen die Quellen geprüft · 29. Juli 2026

Zur Datengrundlage nennt Google den Umfang gerundet, die begleitende Auswertung der Fachpresse präziser: 14.653.926 anonymisierte Interaktionen, gezogen aus der Gemini-App, dem AI Mode und der Gemini-API zwischen dem 6. und dem 19. April 2026. Zugeordnet wurden sie zu mehr als 800 Berufen, 4.000 Arbeitsaufgaben, 300 Haushaltstätigkeiten, über 150 Ländern und 140 Sprachen. Die drei Produkte zusammen werden laut Google von mehr als einer Milliarde Menschen im Monat genutzt. Der Bericht ist ausdrücklich als Auftakt angelegt: „ATLAS v1.0 represents the start of a long-term project“.

Die Kernzahlen des Arbeitsteils: Die Nutzung erstreckt sich über alle Branchen und über „68% of all occupations that collectively represent 90% of total U.S. employment“ – die genauere Angabe der Auswertung lautet 88,4 Prozent der zivilen US-Beschäftigten. Innerhalb eines Berufs bleibt die Nutzung dagegen selektiv: Der Median der Aufgabensättigung liegt bei 21 Prozent. Beim Wie überwiegt die Zusammenarbeit deutlich – Ideenfindung, Strategie, Informationssuche, Lernen. Vollständige Automatisierung ist die Ausnahme: „Less than 10% of those interactions fully automate tasks.“ 65 Prozent der Interaktionen zielen auf nicht-routinemäßige kognitive Aufgaben, gegenüber einem Ausgangswert von 35 Prozent.

Der vielleicht unterschätzte Befund steht außerhalb der Arbeitswelt: „Over 86% of interactions with AI tools in ATLAS occur outside of work.“ Der weit überwiegende Teil dessen, was Menschen mit diesen Werkzeugen tun, ist also privat – Haushalt, Lernen, Alltagsorganisation –, und die 300 erfassten Haushaltstätigkeiten sind der Versuch, genau das zu vermessen. Für eine Debatte, die fast ausschließlich über Erwerbsarbeit geführt wird, ist das eine Verschiebung der Grundlage.

Einordnung und Vorbehalte: Dies ist eine Anbieter-Untersuchung des eigenen Produkts, keine unabhängige Messung – die zugrunde liegenden Interaktionen sind naturgemäß nicht öffentlich und die Auswertung nicht reproduzierbar. Google benennt selbst „a much wider range of economically-relevant AI usage not reflected in ATLAS“ und schließt Workspace, Translate, AI Overviews sowie die bezahlte API-Nutzung aus; die Fachauswertung hält dagegen, dass gerade diese Ausschlüsse die berufliche Nutzung untererfassen dürften. Gemessen wird zudem Verhalten, nicht Wirkung: „measures behavioural interactions rather than productivity outcomes“. Zur Beleglage: Wir haben Googles Primärveröffentlichung selbst geöffnet und die Zahlen an einer unabhängigen Fachauswertung gegengeprüft; die Berichterstattung von Ars Technica zum selben Bericht war für unseren Abruf gesperrt und ist deshalb nicht als Beleg geführt.