Die drei Bausteine im Einzelnen. Erstens das Register: Als „Large Load“ gilt Endverbraucher-Last mit einer kumulierten Spitzenlast von mindestens 50 Megawatt an einem Standort hinter einem oder mehreren Einspeisepunkten im Umkreis von einer Meile. Erfasst werden Standort, Hochlaufplan und die Frage, ob eigene Erzeugung vorhanden ist; die Daten kommen von den Verteilnetzbetreibern und sollen öffentlich verfügbar sein. Zweck ist zunächst die Prognosegenauigkeit – und die Grundlage dafür, im Ernstfall zu wissen, wo sich Last überhaupt abwerfen lässt.
Zweitens die Drosselung. Der „Interim Resource Adequacy Service“ verpflichtet die Verteilnetzbetreiber, für neue Großlasten eine Regelung vorzuhalten, die zum Stichtag 1. Juni 2027 greift: Wer bis dahin keine ausreichende Kapazität für den eigenen Bedarf mitbringt und nicht nach dem üblichen Zuverlässigkeitsmaßstab versorgt werden kann, muss bei drohender Knappheit herunterfahren – und zwar vor dem regulären Notfall-Lastmanagement. Die Ausgestaltung sollen die Verteilnetzbetreiber mit ihren jeweiligen Landesregulierern festlegen. Nach der Darstellung von TechCrunch betrifft die Drosselung Rechenzentren ab 50 Megawatt, erfolgt mit Vorlauf von 30 Minuten bis mehreren Tagen und wird vergütet – vergleichbar bestehenden Demand-Response-Programmen.
Drittens die Auktion. Die „Reliability Backstop Procurement“ läuft vom 30. September bis zum 21. Oktober 2026, die Ergebnisse sollen Anfang Dezember vorliegen. Ziel ist die Fehlmenge aus der Kapazitätsauktion für das Lieferjahr 2028/29 – rund 6.831 Megawatt, also etwa 6,8 Gigawatt. Angebote sind auf 555 Dollar je Megawatt und Tag gedeckelt, Zuschläge binden Ressourcen für bis zu 15 Jahre, und die Anlagen müssen spätestens zum 1. Juni 2032 am Netz sein. Beide Vorhaben sollen der Bundesregulierungsbehörde FERC zur Genehmigung vorgelegt werden; nach Angaben der Fachpresse war die Einreichung noch für Ende Juli 2026 vorgesehen. Zur Begründung heißt es im Vorstandsschreiben: „The Board believes this reliability threat requires decisive action.“
Der Hintergrund in Zahlen: BloombergNEF beziffert den Strombedarf der US-Rechenzentren für 2035 auf 194 Gigawatt – das entspricht rund 20 Prozent des US-Stromverbrauchs, gegenüber 5,9 Prozent heute und einem Zwischenwert von etwa 12 Prozent im Jahr 2030. Die Prognose vom 21. Juli 2026 liegt 83 Prozent über der eigenen Schätzung vom Dezember. Speziell für PJM erwartet BNEF, dass mehr als ein Drittel der Kapazität des Netzgebiets auf Rechenzentren entfällt. BNEF-Analyst Lloyd Arnold benennt das Grundproblem so: Das Netz komme schon mit der heutigen Nachfrage kaum nach, und das präge, wie neue Anlagen überhaupt angeschlossen würden.
Zur Beleglage: PJMs eigene Mitteilung vom 27. Juli 2026 und die Fachberichterstattung haben wir geöffnet; die Zahl der Fehlmenge tragen wir als 6.831 Megawatt, weil die Größenordnung von zwei unabhängigen Quellen als „6,8 Gigawatt“ bestätigt wird. Die BloombergNEF-Studie selbst ist eine kostenpflichtige Abonnement-Publikation und für uns nicht direkt einsehbar; die Zahlen sind deshalb an zwei voneinander unabhängigen Fachmedien geprüft, die übereinstimmend 194 Gigawatt, 20 Prozent, 5,9 Prozent und den Aufschlag von 83 Prozent nennen.