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Sony und Warner Chappell verklagen Anthropic – und nehmen Dario Amodei und Benjamin Mann persönlich in Haftung

Sony Music Publishing und Warner Chappell Music haben am 28. August 2026 zusammen mit mehr als dreißig verbundenen Verlagsgesellschaften beim US-Bundesgericht für den Northern District of California (San Jose Division) eine 48-seitige Klage gegen Anthropic PBC eingereicht (Az. 5:26-cv-09217). Neben dem Unternehmen sind die Mitgründer Dario Amodei und Benjamin Mann persönlich beklagt. Die Klageschrift nennt vier Klagegründe: Direktverletzung durch Torrenting gegen alle Beklagten, Beihilfe zur Verletzung gegen Amodei und Mann, Direktverletzung gegen Anthropic und die Entfernung von Urheberrechts-Metadaten nach 17 U.S.C. § 1202.

Aussagen gegen die Quellen geprüft · 30. August 2026

Die Klageschrift beginnt mit dem Satz, mit dem sie auch beworben wird: Die Verlage „bring this action to hold accountable the culprits behind one of the largest and most blatant ongoing thefts of intellectual property in history“. Die Beklagten hätten „a brazen campaign of illegally torrenting, scraping, and downloading copyrighted works on a massive scale“ betrieben, um Anthropics Claude-Modelle zu entwickeln und damit Gewinne zu erzielen. Vertreten werden die Kläger von Oppenheim + Zebrak, LLP (Matthew J. Oppenheim) und Pryor Cashman LLP.

Zwei Werkmengen, die in der Berichterstattung durcheinandergehen: Exhibit A listet die Kompositionen, deren Texte und Noten in den getorrenteten Büchern stecken – hier spricht die Klage von „hundreds or more“ und nennt als Beispiele „Livin’ On a Prayer“, „September“, „Great Balls of Fire“, „Ramblin’ Man“ und „Hallelujah“. Exhibit B listet die Kompositionen, die Anthropic als Trainingsmaterial kopiert und deren Urheberrechts-Metadaten es entfernt haben soll – dort steht „tens of thousands“. Die verbreitete Kurzfassung „Zehntausende Werke getorrentet“ vermischt beides.

Fünf Beschaffungswege zählt die Klage auf: Torrenting aus der Library Genesis (Juni 2021, mindestens fünf Millionen Bücher) und aus dem Pirate Library Mirror (Juli 2022, mindestens zwei Millionen weitere); Scraping der lizenzierten Textseiten MusixMatch.com und LyricFind.com „in direct violation of those websites’ terms and conditions“; das zerstörende Scannen millionenfach gekaufter Gebrauchtbücher nach dem Vorbild von Google Books; und die Übernahme fremder Datensätze – Common Crawl, The Pile und Books3. Zu The Pile führt die Klage den darin enthaltenen Datensatz „YouTube Subtitles“ an: die von Menschen erstellten Untertitel von 173.651 YouTube-Videos, darunter offizielle Musik- und Lyric-Videos.

Für die persönliche Haftung stützt sich die Klage auf Zitate aus dem Bartz-Verfahren. Mann habe LibGen in internen Anthropic-Diskussionen als „sketchy AF“ bezeichnet, bevor er es torrentete (Bartz-Akte, ECF Nr. 325, S. 8), und Anthropics eigene Regel habe Amodeis ausdrückliche Zustimmung verlangt. Als PiLiMi bereitstand, habe Mann den Link mit „[J]ust in time!“ geteilt, ein Kollege habe geantwortet: „zlibrary my beloved“. Anthropics Ingenieure hätten die fünf Millionen LibGen-Kopien gegen die sieben Millionen bei PiLiMi verfügbaren abgeglichen und gezielt die zwei Millionen nachgeladen, die noch fehlten.

Count IV zielt auf die Vorverarbeitung. Anthropic schneide aus den geernteten Texten „repetitive ‚garbage‘ portions“ heraus; was das Unternehmen für Müll halte, sei tatsächlich geschützte Copyright Management Information. Konkret nennt die Klage die Extraktionswerkzeuge Newspaper und Dragnet, mit denen The Pile bereinigt wurde: Dragnets Algorithmen trennten den Hauptinhalt einer Seite – etwa den Songtext – von Fußzeilen, Copyright-Vermerken und anderer CMI.

Beantragt sind ein Geschworenenverfahren, gesetzlicher Schadenersatz von bis zu 150.000 Dollar je vorsätzlich verletztem Werk nach 17 U.S.C. § 504(c) und bis zu 25.000 Dollar je CMI-Verstoß nach 17 U.S.C. § 1203(c)(3)(B). Eine Gesamtsumme nennt die Klageschrift nicht; die Rezeption spricht von einem „multi-billion-dollar range“.

Anthropic hat gegenüber TechCrunch erklärt: „We disagree with the publishers’ claims and we intend to defend ourselves robustly in court.“ Ein Nebenbefund für unseren Modellkatalog: Die Klageschrift listet die kommerziellen Claude-Modelle auf, die sämtlich auf unerlaubten Kopien trainiert worden seien – bis hin zu Claude Opus 4.8 (Mai 2026), Claude Sonnet 5 (Juni 2026), Claude Fable 5 (Juni 2026) und Claude Opus 5 (Juli 2026).

⚠️ Zur Provenienz: Sämtliche Vorwürfe sind Behauptungen der Kläger, über die kein Gericht entschieden hat. Wir haben die Klageschrift im Volltext geöffnet (Case 5:26-cv-09217, Document 1, eingereicht 08/28/26, 48 Seiten) – Gericht, Aktenzeichen, Datum, Klagegründe, Zitate und Beträge stammen aus dem Dokument selbst, nicht aus der Rezeption. Die früheren Songtext-Klagen gegen Anthropic (Oktober 2023 und Januar 2026) stammen laut Music Business Worldwide von Universal Music Publishing, Concord und ABKCO; Sony Music Publishing und Warner Chappell treten hier mit einer eigenen Klage an.