Alle Depeschen

DepescheBranche

Hossenfelder: Sponsor wollte Sätze für KI-Warnvideo vorgeben

Die Wissenschaftsjournalistin Sabine Hossenfelder berichtet seit dem 5. September 2026, eine Organisation habe ihr Geld für ein Video über die existenzielle Gefahr durch KI geboten – samt vorgegebener Sätze und zu zitierender Quellen. Sie lehnte ab. Bezahlte Aufträge gebe es auf beiden Seiten der Debatte.

Aussagen gegen die Quellen geprüft · 12. September 2026

Hossenfelder schildert den Vorgang in einem Video vom 5. September 2026. Eine Organisation, die vor einer existenziellen Bedrohung durch KI warnen wollte, habe sie angesprochen. Sie teile diese Sorge selbst, sagt sie – doch die Anfrage habe Thema, Aussagen, vorzulesende Sätze und zu zitierende Quellen festgelegt. Sie habe abgelehnt, fügt aber hinzu: Beim passenden Preis mache es irgendwann jemand anderes.

Der Unterschied zum üblichen Sponsoring liegt in der redaktionellen Kontrolle. Normalerweise bezahlt ein Sponsor die Produktion und bekommt dafür einen abgegrenzten Werbeblock, ohne Einfluss auf den übrigen Inhalt. Wirksamer sei es jedoch, wenn die Zusammenarbeit unklar bleibe. Und es genüge, gezielt Creator anzusprechen, die die gewünschte Haltung ohnehin vertreten: Dann passt das ganze Video zum Zahlenden, ohne dass jemand redigiert hat.

Sie nennt Namen. Das Future of Life Institute steht hinter der Kampagne „Protect What’s Human“; deren Website weist sich im Fußbereich als „authorized by Future of Life, a 501(c)(3) organization“ aus und wirbt für schärfere KI-Regulierung. Dort gebe es bezahlte Social-Media-Aufträge nach festem Ablauf: Vorgaben befolgen, Entwurf einreichen, Rückmeldung einarbeiten, veröffentlichen, Geld erhalten. Auf der Kampagnenseite selbst steht dieser Ablauf nicht; er stammt allein aus ihrer Darstellung.

Auf der Gegenseite verweist sie auf Build American AI, eine Kampagne für KI-freundliche Politik, die sich das Ziel „U.S. leadership in the transformative technologies of tomorrow“ gibt. Die Journalistin Taylor Lorenz habe für Wired berichtet, ihr seien 5.000 Dollar für ein TikTok-Video geboten worden, das Chinas KI-Fortschritt als Bedrohung amerikanischer Arbeitsplätze darstellt. Den Wired-Text konnten wir nicht abrufen; diese Zuschreibung steht auf Hossenfelders Wiedergabe.

Hossenfelder verurteilt weder Organisationen noch Creator. Ihr Einwand ist ein anderer: Politische Lobbyarbeit laufe hier in die Wissenschafts- und Technikberichterstattung ein, und deren Publikum sei das nicht gewohnt. Der Befund fällt in dieselbe Woche wie die unbelegte These, hinter einer aufsehenerregenden Kündigung bei Anthropic stehe eine finanzierte Kampagne. Dass bezahlte Botschaften existieren, belegt keinen Einzelfall.